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Wespen 6 - Schmarotzerwespen

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Letzte Aktualisierung:

16. Dezember 2017 08:22


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 Teil 6 - Schmarotzende Solitärwespen (u.a. Chrysididae)

Vorwort und Allgemeines über die Schmarotzenden Solitärwespen

Dieser vorläufig letzte Teil in der Rubrik "Wissenswertes über Wespen" befasst sich mit den Schmarotzern unter den solitären Wespen (einzig die letzte Familie am Ende dieses Teils ist anders einzuordnen). Viele ähneln in ihrem Verhalten den Kuckucksbienen. Sie bauen also keine eigenen Nester sondern suchen - artspezifisch - nach Nestern anderer Wespen und / oder Bienen oder Hummeln. Dort dringen sie meist während der Abwesenheit der Nestgründerinnen ein und legen ihre Eier in vorhandene Brutkammern. Bei der Mehrzahl der Arten saugen sich die Larven an den Larven ihrer Wirte fest und saugen diese während des Heranwachsens aus; bei Arten, die in Nestern von anderen Wespen schmarotzen, kommt es auch vor, dass nicht nur die Wirtslarve verspeist wird, sondern auch deren Futterproviant. Wenige Arten sind echte Futterschmarotzer. Ihre Larven fressen den für die Wirtslarve angelegten Futtervorrat - zuvor fressen sie jedoch das Wirts-Ei oder die schon geschlüpfte Larve.

Wespen einer anderen Familie dieser Gruppe haben es nicht auf die Larven oder den Proviant anderer Hautflügler abgesehen, sondern auf die Larven von Blatthornkäfern.

Zu den Schmarotzenden Solitärwespen gehören zwei jeweils auf ihre Art auffallende Familien. Das ist zum einen die Familie der Goldwespen. Das sind wohl die schönsten und farbenprächtigsten Wespen, die es in unserer heimischen Fauna gibt. Ihr ganzer Körper leuchtet und schillert je nach Art in fast neonfarbenen Rot-, Pink-, Grün-, Blau- und Goldtönen, bei manchen Arten sind alle Farbtöne in kontrastreichen Abstufungen sogar vereint. Auch, wenn die Goldwespen meist recht klein sind (meist nur fünf Millimeter, manche bis ein Zentimeter), fallen sie durch ihr Funkeln im Sonnenlicht fast jedem auf.

Die andere Familie sticht nicht durch Farbenpracht hervor, sondern durch ihre Ähnlichkeit mit Ameisen. Es handelt sich um die Ameisenwespen. Leider habe ich noch nie eine zu Gesicht bekommen.

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Die Familie der Goldwespen (Chrysididae)

Wie schon erwähnt, sind die Arten der Goldwespen allesamt farbenprächtige Erscheinungen. Insgesamt für diese Familie gesehen, kommen als Wirte Grabwespen und die zu den Solitären Faltenwespen gehörenden Eumenidae (Pillenwespen) in Betracht. Ob Bienen (in der Regel Mauerbienen der Gattung Osmia) ebenfalls zum Wirtsspektrum einiger Goldwespenarten zählen, ist offenbar noch ungeklärt. Die Goldwespen dringen meist während der Abwesenheit der Nestgründerinnen in ein Nest ein und legen ein Ei ab. Sollten sie dabei doch einmal von der Erbauerin überrascht werden, sind sie gut geschützt vor deren Attacken. Nicht nur, dass ihr Chitinpanzer besonders stark ist, sie können sich aufgrund einer anatomischen Besonderheit zu einer kompletten Kugel zusammenrollen und sind somit unangreifbar. Bei ihnen ist der Hinterleib unterseits ausgehöhlt und kann bei Bedarf nach vorn unter den Thorax geklappt werden, durch den nach innen gewölbten Hinterleib haben auch ihre Beine in der Kugel Platz. Zudem scheinen Goldwespen einen für ihre Wirte sehr unangenehmen Geruch auszudünsten, welcher diese bei einem möglichen Angriff meist zurückschrecken lässt.

Die Larven der meisten Arten sind reine Ektoparasiten (Außenparasiten). Doch ihre Vorgehensweise nach dem Schlupf aus dem Ei hängt vom Entwicklungsstadium der Wirtslarve ab, die sie vorfinden und auf deren Rücken sie sich anheftet. Ist die Larve des Wirtes ebenfalls erst geschlüpft oder noch klein, saugt die parasitische Larve nur sehr sporadisch an ihr - gerade so oft, dass sie nicht abstirbt. So kann der Wirt weiter heranwachsen, reifen und sich schließlich gemeinsam mit der Goldwespenlarve auf dem Rücken in einen Kokon einspinnt. Erst jetzt wird der Parasit richtig aktiv, denn die Wirtslarve hat ihre maximale Größe erreicht und genügt nun erst als Nahrungsreserve für die Entwicklung der Goldwespe. Findet eine frisch geschlüpfte Goldwespenlarve dagegen schon einen Kokon im Nest vor, dringt sie in diesen ein und heftet sich ebenfalls an den Rücken der darin befindlichen Larve um sie als Nahrungsvorrat zu nutzen. So läuft das sowohl in Bienen- als auch Wespennestern ab. Nur bei wenigen Arten, die bei Pillen- oder Grabwespen parasitisieren, gibt es wohl die Variante, dass die Goldwespenlarven die Wirtslarven sofort abtöten (oder das Ei fressen) und deren Futterproviant für ihre eigene Entwicklung nutzen.

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Goldwespen kann man in fast allen Lebensräumen antreffen. Was dadurch bedingt ist, dass die Wirte der einzelnen Arten ebenfalls in verschiedenen Lebensräumen anzutreffen sind. Sehr schwierig ist es dagegen, die gefundenen Arten zu bestimmen, da sie sich alle sehr ähnlich sehen. Wie bei so vielen Hautflüglern ist dies anhand eines Fotos oder vor Ort im Gelände oft sehr schwierig bis unmöglich - auch für Spezialisten. Nur sehr wenige Arten sind einfacher zu benennen - insbesondere dann, wenn man weiß wer ihr Wirt ist. Ansonsten hilft manchmal auch Glück und man hat auf einem Foto eines der wenigen Unterscheidungsmerkmale der Arten so gut und scharf getroffen, das eine Fotobestimmung klappt. Leider sind diese Merkmale oft winzig und meist auch noch an etwas verborgenen Körperstellen. Sie überhaupt zu fotografieren ist schon eine wahre Geduldsprobe. Goldwespen sind eigentlich ständig in Bewegung und lassen einem Fotografen kaum die Möglichkeit, sie in den Sucher zu bekommen. Am ehesten gelingen Aufnahmen bei den Wirtsnestern. Wenn man sich dort geduldig auf die Lauer legt, hat man manchmal das Glück, den Auslöser erfolgreich betätigen zu können. So sind mir auch erst 2008 die ersten Aufnahmen von Goldwespen geglückt. Ich suchte gezielt im Sandgebiet am Frankfurter Flughafen nach ihnen, fand welche und folgte ihnen langsam zu potentiellen Wirtsnestern, dort legte ich mich dann auf die Lauer. Die beiden Arten, die ich da fotografieren konnte, stelle ich nun vor.

Hedychrum niemelaeiHedychrum niemelaei gehört mit ihren etwa acht Millimetern Körperlänge zu den größeren Goldwespenarten. Ich hatte das große Glück, sowohl ein Männchen als auch ein Weibchen fotografieren zu können. Sie findet man eigentlich nur in offenen, sandigen Gebieten. Dort lebt nämlich ihr Wirt - Grabwespen aus der Gattung Cerceris (z.B. Cerceris rybiensis). Dort kann man sie etwa von Juli bis spätestens Anfang September rastlos über Sandflächen hasten und nach passenden Nestern suchen sehen.

Hedychrum rutilansEbenfalls in Sandgebieten, aber auch an anderen trockenen, vegetationsarmen Stellen kann man Hedychrum rutilans finden. Zumindest überall dort, wo ihr Wirt, der Bienenwolf (Philanthus triangulum), nistet. Sie ist aufgrund ihrer Färbung meist etwas einfacher zu bestimmen als ihre Verwandten. Flugzeit ist meist zwischen Ende Juni und Anfang September.

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Die Familie der Ameisenwespen (Mutillidae) - 6 Arten in Deutschland

Wie erwähnt, hatte ich noch nie das Glück einer Art dieser interessanten Wespen zu begegnen. So kann ich Ihnen nicht einmal ein Foto präsentieren, das Ihnen die Ähnlichkeit zu den Ameisen vermitteln kann. Ich beschränke mich von daher auf ganz allgemeine Angaben über diese Familie. Zudem scheint diese Familie noch nicht ausreichend erforscht, denn, es gibt einige widersprüchliche Angaben über ihre Lebensweise (bzw. der ihrer Larven).

Die Mutillidae haben noch zwei weitere (mir bekannte) deutsche Bezeichnungen: Spinnenameisen und Bienenameisen. Die erste Bezeichnung bezieht sich wohl auf die Behaarung dieser Wespen, die an Spinnen erinnert; die zweite auf die in Bienennester eindringenden Arten. Die Ähnlichkeit mit den Ameisen beschränkt sich aber alleine auf die flügellosen Weibchen dieser Wespen.

Als Wirte kommen - je nach Art - Wildbienen, Hummeln sowie Grab- und Wegwespen in Frage. Nicht abschließend geklärt scheint die Frage, ob die Larven dieser Schmarotzer nur den Wirt für ihre Entwicklung aussaugen oder auch dessen Proviant verzehren. Sicher ist dagegen, dass beispielsweise die von der Großen Ameisenwespe (auch Große Spinnenameise) Mutilla europaea befallenen Hummelnester weniger Hummeln als Ameisenwespen hervorbringen.

Die Ameisenwespen gelten gemeinhin als selten bis sehr selten. Sie kommen entsprechend ihrer Wirtswahl in unterschiedlichen Lebensräumen vor und sind etwa von Mai bis Oktober unterwegs.

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Die Familie der Rollwespen (Tiphiidae)

Die Rollwespen haben es bei ihrer Wirtssuche nicht auf die Larven von Hautflüglern abgesehen, sondern auf die im Boden lebenden Larven (Engerlinge) von Blatthornkäfern aus den Gattungen Gattungen Amphimallon, Rhizotrogus und Anisoplia. Dazu graben sich die Wespen bis zu fünfzig Zentimeter tief zu ihnen hinab. Dort wird der Engerling mit einem Stich paralysiert (je nach Rollwespengattung dauerhaft oder auch nur kurzfristig) und ein Ei an ihn geheftet. Die Larven (Ektoparasiten) heften sich nach dem Schlupf umgehend an den für sie riesigen Wirt und saugen ihn nach und nach aus. Die Verpuppung findet im Boden neben der leeren Hülle des Wirtes statt.

Die fertigen Rollwespen sind meist eifrige Blütenbesucher (besonders weiße Doldenblütler) und ernähren sich von Blütennektar und Honigtau. Im Hochsommer, der Flugzeit der Rollwespen, treten sie in Gebieten mit großen Beständen als Wirte geeigneter Blatthornkäfer oftmals in Massen auf. Fehlen dafür mancherorts völlig.

Ich konnte bislang eine Art der vier (6?) heimischen Rollwespen finden und fotografieren: Tiphia femorata

Tiphia femorata ist die häufigste Art der Familie. Sie befällt Engerlinge der Gattung Amphimallon, bevorzugt die von Amphimallon solstitiale, dem Junikäfer. Zu finden ist diese Art meist in wärmeren Gebieten, meist auf Trockenrasen.

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Die Familie der Schmalbauchwespen (Gasteruption)

Diese Familie, auch Gichtwespen genannt, ist hier unter dem Kapitel Schmarotzende Solitärwespen sicher nicht ganz richtig eingeordnet, denn, sie haben einen Legebohrer wie die Schlupfwespen (wo sie aber auch nicht hingehören). Es lohnt sich aber nicht, für diese, von den anderen, in den bislang sechs Teilen vorgestellten Familien, abweichende Familie einen siebten Teil (also eine neue Seite) zu erstellen. Viel zu wenig ist mir (und scheinbar auch den Biologen) über diese Familie bekannt.

Ich kann Ihnen zu dieser Familie nur folgende Angaben machen:

Die weiblichen Gichtwespen suchen Nester von hohlraumbewohnenden Wildbienen und bringen mithilfe ihres Legebohrers ihre Eier in die Brutkammern ein. Betroffen sind vor allem Hylaeus-und Ceratina-Arten, aber auch die Gattungen Osmia, Colletes und Heriades. Die Larven dieser Wespen fressen zunächst das Wirts-Ei (oder auch die Larve) und fressen dann den Futterproviant (Nektar und Pollen). Die erwachsene Wespe ist häufig auf Doldenblütlern beim Nektartrinken zu beobachten.

Gasteruption spec.Gasteruption spec. Bei dieser Gattung ist eine Artbestimmung am Foto nahezu unmöglich - besonders für mich als Hobby-Entomologen. Gasteruption assectator ist die häufigste heimische Art und schmarotzt bei Hylaeus-Arten (die meist in Brombeerruten nisten). Flugzeit ist etwa von Juni bis September.

 

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Das war nun der vorerst letzte Teil zum Thema "Wissenswertes über Wespen".

 


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Hier geht es zu Teil 2 - Grabwespen (Sphecidae)
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Teil 3 - Wegwespen (Pompilidae)

 

 Hier geht es zu Teil 4 - Schlupfwespen u.a. (Terebrantes)
Hier geht es zu Teil 5 - Pflanzenwespen (Symphyta)

 

© 2008 by Andreas Haselböck

 
 
 

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Stand: 16. Dezember 2017