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Wespen 4 - Schlupfwespen u.a.

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16. Dezember 2017 08:22


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Teil 4 - Schlupfwespen (Ichneumonidae), Gallwespen (Cynipidae), Brackwespen (Braconidae) und Erzwespen (Chalcidoidea) -  (zusammengefasst: Terebrantes)

Schlupfwespen i.e.S. / Brackwespen / Erzwespen / Gallwespen / Blattlauswespen

Im Grunde erscheint es mir aussichtslos, in diesem vierten Teil zu versuchen, Ihnen mit meinem bescheidenem Wissen, die nahezu unüberschaubare Gruppe der Terebrantes (also der Schlupf-, Gall-, Brack- und Erzwespen) näher bringen zu wollen oder gar einen tieferen Einblick vermitteln zu können. Die schiere Masse von rund zehntausend Arten alleine in Mitteleuropa macht dies eigentlich zu einem sinnlosen Unterfangen.

Andererseits begegnet man vielen Vertretern dieser Gruppe in den wärmeren Monaten unweigerlich auf Schritt und Tritt in der Natur - in fast jedem Biotop. Selbst, wenn man dem eigentlichen Insekt nicht begegnet, fallen besonders die an verschiedenen Pflanzenarten auftretenden Wucherungen, die auch bizarre Formen haben können, in manchmal fast leuchtenden Farben auf - dabei handelt es sich meist um von Gallwespen verursachte Gebilde.

Zudem sind bis auf die Gallwespen alle Arten sehr wichtige Regulatoren in der Insektenwelt. Sie sind Parasitoide, die ihre Wirte nicht nur schwächen, sondern töten. Es gibt kaum eine Insektenart - oder auch Spinnenart -, die nicht von einer dieser tausenden Arten der Schlupf-, Brack- und Erzwespen als Wirt für seinen erwählt ist. Die überwiegende Zahl dieser Arten wird von uns als "Nützlinge" angesehen.

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Aus diesen Gründen versuche ich es dennoch. Ich kann Ihnen aber nur eine allgemeine, vereinfachte Vorstellung der Familien präsentieren - die aber hoffentlich für einen kleinen Über- und Einblick in die Familien der Gruppe Terebrantes ausreicht.

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1. Die Familie der Schlupfwespen (Ichneumonidae) - etwa 3000 Arten in Mitteleuropa

Die Schlupfwespen stellen zumeist die größten und dadurch auch auffälligsten Vertreter dieser Wespengruppe. Gall-, Brack- und Erzwespen sind meines Wissens nach nie größer als vielleicht sechs bis elf Millimeter, die meisten bleiben aber noch kleiner und da sie außerdem in der Regel auch noch völlig unscheinbar gefärbt (oft einheitlich braun oder schwarz) sind, nimmt man sie nur ganz selten überhaupt wahr. Ganz anders die Schlupfwespen. Unter ihnen gibt es richtige Riesen mit bis zu fünf Zentimetern Körpergröße und einem fast ebenso langem Legebohrer am Hinterleib. Auch farblich haben sie mehr zu bieten. Zwar ist der Grundton meist schwarz, doch viele haben gelbe, rote, orange oder weiße, oft auffallende Zeichnungen. Vorherrschend ist aber eine schwarz-rote Färbung. Das wichtigste Verbindungsglied aller Familien in dieser großen Gruppe ist wohl der Legebohrer - den sie statt eines Giftstachels haben. Den besitzen sie alle. Bei einem Teil ist er äußerlich immer sichtbar, die anderen können ihn in ihrem Hinterleib verbergen. Große Schlupfwespen können ihren Legebohrer aber scheinbar auch zur Verteidigung einsetzen. Es gibt noch eine andere große Gruppe unter den Wespen, die einen Legebohrer besitzen: die Pflanzenwespen (Symphyta). Diese haben aber eine völlig andere Gestalt. Sie haben zum Beispiel keine "Wespentaille" und wirken fast immer etwas gedrungen, ganz entfernt an große, schlanke Fliegen erinnernd. Und ihr Legebohrer ist oft klein und bei genauer Betrachtung nicht ganz rund, sondern abgeflacht (bei der in diesem Teil vorgestellten Gruppe ist der Legebohrer immer rund).

Wie alle Arten in der gesamten Gruppe, sind auch die Schlupfwespen in den allermeisten Fällen nicht ohne ein präpariertes Belegtier zu bestimmen - selbst dann haben Spezialisten oft noch große Schwierigkeiten. Bei den anderen Familien in der Gruppe geht da oft noch weniger bis gar nichts. Diese häufige Unmöglichkeit einer Artbestimmung hat mich fast immer davon abgehalten, gefundene Schlupfwespen überhaupt zu fotografieren - da ich ja außer einem Foto nichts zum Anbieten hätte. Lediglich besonders auffällig gefärbte Wespen lichtete ich ab - in der Hoffnung, dass sie einen Namen bekommen können. Darum gibt es auf Naturspaziergang bisher auch nur wenige Arten - von denen auch nur einige wirklich bis zur Art bestimmt sind. Ich werde aber zukünftig alle fotografieren, die mir vor die Linse kommen. Nur um zu zeigen, wie zahlreich sie anzutreffen sind. Als Nebeneffekt kann ich dann diesen vierten Teil von "Wissenswertes über Wespen" weiter verbessern.

Da all die vielen Tausend Arten auch fast ebenso viele Insektenarten als Wirt haben können, gibt es auch unterschiedliche Wege, zu ihm zu gelangen. Am häufigsten dienen Schmetterlingsraupen oder -puppen als Wirt, gefolgt von Blattwespen-, Zweiflügler- und Käferlarven. Einige wenige Arten nutzen Spinnen. Die Schlupfwespen müssen also ihre Wirte in dem für ihn passenden Lebensraum suchen. Darum sieht man Schlupfwespen nicht nur beim Blütenbesuch, sondern oft auch hektisch durch Gebüsche oder die Krautschicht von Wiesen umherwuseln, denn dort befinden sich die passenden Opfer für die Mehrheit der Schlupfwespenarten. Andere müssen ihre Suche am Boden durchführen, mal in der Laubstreu in Wälder oder auch auf nackter Erde - dort finden sich oft die Larven von Zweiflüglern und Käfern. Wieder andere brauchen eine gute "Nase". Das sind die Arten, deren Opfer (in der Regel Käferlarven) unter der Erde oder auch tief in Holz leben. Wird ein Opfer aufgespürt, können die einen geradezu bequem einfach zustechen, andere müssen sich zunächst erst mühsam zu ihm hinab graben und wieder andere müssen ihren Legebohrer wirklich als Bohrer einsetzen. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass diese, wenn auch dann langen, so dünnen, zerbrechlich wirkenden Legebohrer wirklich in Holz bohren können. Aber, es geht und so sind auch Larven von holzbewohnenden Käfern nicht sicher. Die größte europäische Schlupfwespe - die zugleich auch auf solche Larven spezialisiert ist - erreicht mit ihrem Legebohrer Opfer bis in etwa knapp fünf Zentimeter Tiefe im Holz - ich finde das beachtlich. Egal welche Schlupfwespenart, wenn ihr Legebohrer sein Ziel erreicht passiert im Grunde immer das Gleiche. Der Wirt wird angestochen und durch einen dünnen Kanal im Bohrer gleitet ein (selten mehr) Ei und gelangt so in den Körper des Opfers.

Wenn die Schlupfwespenlarven dann in ihren Wirten schlüpfen, beginnt etwas, dass uns Menschen sicher grausam erscheint - doch für die Larve lebensnotwendig ist. Die Larve frisst zunächst die Fettreserven des Wirts, dann geht sie über zu den nicht zwangsläufig lebenswichtigen Organen (die Lebenszeit des Wirtes ist ja durch die Schlupfwespenlarve in ihm ja stark verkürzt) und erst, wenn auch die verspeist sind, frisst die nun sowieso fast ausgewachsene Larve die restlichen, lebensnotwendigen Organe. Schließlich verpuppt sich die Larve in oder neben der nun leer gefressenen Körperhülle des Wirts in einem kleinen, seidigen Kokon. Die Reihenfolge ist wichtig, denn nur ein bis zum Ende lebender Wirt ermöglicht der Larve ihre Entwicklung bis zur Verpuppung. Erstaunlich ist dabei wieder die völlige Andersartigkeit des Insektenkörperbaus gegenüber höheren Tieren oder uns Menschen (der ja eigentlich nichts anderes als ein "höheres" Tier ist). So eine befallene Raupe beispielsweise "lebt" (ich möchte mir nicht vorstellen, was das dann für ein Leben ist) ja selbst dann noch, wenn in ihrem Körper schon bis zu siebzig / achtzig Prozent "Inhalt" (Fettreserven, Muskeln, bestimmte Organe) weg gefressen sind und stattdessen diese stetig wachsende Larve in ihr wohnt. Ich glaube nicht, dass dies bei einem Säugetier möglich wäre...

Auch, wenn Schlupfwespen in der Regel nur ein Ei in ihrem Wirt ablegen, kommt es vor, dass mehrere Larven in ihm parasitisieren. Das kommt daher, dass andere Weibchen diesen Wirt ebenfalls mit einem Ei geimpft haben. In solchen Fällen entscheidet wohl die Größe des Wirts, ob die Parasiten in ihm zur Verpuppung gelangen, ehe der ganze Nahrungsvorrat verbraucht ist.

Hier nun ein noch ein Opfer von Schlupfwespen: eine Streckespinne mit aufsitzender Schlupfwespenlarve. Den Befall wird die Spinne nicht überleben.

Seewald / Korntal

10. April 2012
 

Seewald / Korntal

10. April 2012

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Das war nun mein Versuch, Ihnen etwas über die Familie der Schlupfwespen mitzuteilen. Ich hoffe, ich habe mein angestrebtes Ziel annähernd erreichen können und sie fühlen sich etwas informiert. Bevor ich nun den Versuch mache, Ihnen die Familie der Brackwespen näher zu bringen, stelle ich Ihnen zunächst ein paar Schlupfwespen in kurzen Sätzen vor (natürlich mit dem Link zu dem vorhandenem Artenportrait):

Amblyteles armatoriusAuf einer meist sehr trockenen und eher schütter bewachsenen Brachfläche, die auf einer Seite von einer natürlichen Hecke und einem dahinter anschließenden Waldstück begrenzt ist (westlich von Hattersheim), fand ich die sehr auffallend schwarz-gelb gezeichnete, etwa 20mm große Schlupfwespe Amblyteles armatorius - auch als gelbe Schlupfwespe bezeichnet. Sie sucht als Wirt für ihre Nachkommen meist größere Raupen von Eulenfaltern.

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Ichneumon sarcitoriusAuf dem gleichen Gelände, aber auch auf der großen Wiese am Main zwischen Okriftel und F-Sindlingen, fand ich die Flicken-Schlupfwespe Ichneumon sarcitorius - Überraschend sogar beide Geschlechter. Auch sie sucht nach großen Eulenfalterraupen und scheinbar auch nach deren Puppen.

 

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Therion circumflexumBeim Rundgang um das NSG Weilbacher Kiesgruben im Mai, sieht man in den Gebüschen dort meist zahlreiche Sichelwespen Therion circumflexum (eine geradezu exotisch wirkende Art) umherwuseln - auf der Suche nach großen Schmetterlingsraupen, die ihrem Nachwuchs als lebender Futtervorrat dienen sollen. Ich konnte leider bisher nicht in Erfahrung bringen, welche Raupen (Schmetterlingsart) zu ihren Favoriten gehört.
 

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Pseudoplatylabus violentus / Ohne deutschen NamenBeim Naturschutz-Erlebnistag am 16. Mai 2009 im Frankfurter Biegwald, einem Auwald-Rest, fand ich ein Männchen dieser hübsche Art mit dem wissenschaftlichen Namen Pseudoplatylabus violentus. Leider konnte ich keine Informationen über sie finden. Vielleicht wissen Sie etwas über ihre Lebensweise?

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Gelis bicolor

Es gibt auch flügellose Schlupfwespen. Zum Beispiel aus der Gattung Gelis. Hier ein Weibchen von Gelis bicolor. Sie ist ein Eiparasit bei verschiedenen Spinnenarten. Die Weibchen stechen ein Loch durch den Kokon und legen meist nur ein Ei darin ab. Die schlüpfende Larve frisst dann die Spinneneier.

 

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Zum Schluss noch drei "klassisch" schwarz-rot gefärbte Schlupfwespen, die, wie könnte es auch anders bei dieser Farbkombination sein..., nicht bestimmt werden konnten. Von ihnen gibt es deshalb verständlicherweise auch kein Artenportrait, sondern nur hier auf einer Seite zusammengefasst. Ich fand die ersten beiden im Frühsommer auf der Fensterbank und die dritte Ende August im Vogelsbergkreis am Hoherodskopf.

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2. Die Familie der Brackwespen (Braconidae) - ca. 1500 Arten in Europa

Die genaue Anzahl der in Europa lebenden Brackwespenarten kann wohl niemand nennen, da immer wieder noch neue Arten entdeckt werden. Man könnte sie als Miniaturausgaben der Schlupfwespen bezeichnen, denn die meisten werden nicht größer als etwa vier Millimeter. Auch ihre Lebensweise und ihr Wirtsspektrum ist mit der ihrer großen Verwandtschaft fast identisch. Es Braconidaegibt unter ihnen wohl nur keine Arten, die in Holz bohren. Das brauchen sie meist auch nicht, sie sind oft so klein, dass sie den dort lebenden Käferlarven durch deren Fraßgänge folgen können. Es gibt aber dennoch ein paar Unterschiede. Unter den Brackwespen gibt es auch Arten, die ihre Eier nicht tief im Inneren, sondern nur knapp unter die Haut eines Wirtes legen - diese Larven nennt man Ektoparasitoide, also "Außenparasitoide", sie bohren sich von außen in die Haut ein und saugen auf diese Weise den Wirt aus. Die Arten, deren Larven außen am Wirt saugen, besitzen zusätzlich eine Giftdrüse, die mit dem Legestachel verbunden ist. So kann beim Einstich der Wirt paralysiert werden und die Larven laufen nicht Gefahr, durch Bewegungen ihres Opfers möglicherweise abgestreift zu werden; können also in aller Seelenruhe ihr Opfer aussaugen.

Ihre Kleinheit erlaubt es den Brackwespen meist auch, in oder an einem Wirt gleich mehrere Eier zu platzieren. So kann zum Beispiel eine große Kohlweißlingsraupe über einhundert Brackwespen gleichzeitig beherbergen und ernähren. Oder, sie erlaubt es ihnen, schon die Eier ihres Wirts zu befallen - die Larven entwickeln aber erst dann, wenn auch die Wirtslarve geschlüpft ist.

Die Brackwespen sind im Auge des Menschen noch bessere Nützlinge als die Schlupfwespen. Denn in ihrem Wirtsspektrum sind viel mehr "Schädlinge" inbegriffen als bei den größeren Verwandten. So zählen viele Bock-, Borken- und Rüsselkäferarten, sowie viele Forstschäden verursachende Schmetterlingsarten zu ihren Wirten.

Wegen dieser großen Ähnlichkeit zu den Schlupfwespen gibt es zu dieser Familie von meiner Seite her nichts mehr zu sagen. Aber mein Wissen über diese Familie ist insgesamt auch sehr dürftig. Ich hoffe, Sie haben sich dennoch ein ungefähres Bild von ihnen machen können, denn die wohl wichtigsten Merkmale konnte ich sicherlich benennen.

Ich fasse alle Fotos, die mir von Brackwespen gelingen auf dieser Seite zusammen.

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3. Die Familie der Erzwespen (Zehrwespen) (Chalcidoidae) - ca. 5000 Arten in Europa

Auch bei den Erzwespen gibt es keine gesicherten Angaben über die Zahl der Arten, es können rein theoretisch auch wesentlich mehr als diese 5000 sein - weniger auf jeden Fall nicht.

Mein Wissen über diese Familie ist fast noch dürftiger als das zu den Brackwespen... Aber alles, was mir bekannt ist, teile ich Ihnen nun mit Freude mit, und hoffe es langt, damit sie ein ungefähres Bild von diesen Winzlingen erhalten. Viele Erzwespen sind noch winziger, als die schon kleinen Brackwespen. Es gibt Arten von gerade einmal 0,2mm Größe. Für einen gezielten Flug in den doch nie ganz ruhigen Luftmassen unserer Breiten, braucht es aber eine gewisse Mindestgröße. Also lassen sich die Winzlinge vom Wind treiben oder gehen komplett zu Fuß. Bei dieser Kleinheit hilft es auch nicht, dass fast alle Arten dieser Familie blau, grün oder auch golden (matt-)glänzen - man übersieht sie in der Regel dennoch.

Ihr Wirtsspektrum umfasst ebenfalls fast alle Insektengruppen (auch andere Hautflügler) und Spinnen. Sie können, wie die Brackwespen, in einem Wirt gleich dutzende Eier platzieren. Zusätzlich gibt es bei ihnen das Phänomen der Polyembryonie, das heißt, in einem Ei können mehrere Larven entstehen.

Erzwespen sind nicht nur (nützliche) Parasitoide, unter ihnen gibt es auch Hyperparasitoide. Das bedeutet, dass sie beispielsweise als Wirt eine Brackwespenlarve besitzen und ihre Eier in ihr ablegen. So parasitisiert die Erzwespe dann an einer Brackwespenlarve, die wiederum an einer Schmetterlingsraupe parasitisiert. Sie ist also der Parasitoid eines Parasitoiden.

Monodontomerus obsoletusDie Existenz von Erzwespen wurde mir erst 2008 wirklich bewusst. Denn im Mai dieses Jahres fand ich eine größere Anzahl einer Art an meinen Wildbienen-Nisthilfen. Es handelte sich dabei um die etwa 3mm kleine Erzwespe Monodontomerus obsoletus - und ich bin froh, ihnen hiermit auch ein kleines Artenportrait und ein Foto dieses Zwerges zeigen zu können. Da alle Erzwespen in etwa so Aussehen (bis auf eventuell abweichende Farben und Größenunterschiede), ist es sicher leichter, sich ein Bild zu machen.

Hier noch eine auf der Sammelseite für noch unbestimmte Erzwespen:
Chalcidoidea spec.

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4. Die Familie der Gallwespen (Cynipidae) - Artenzahl mir unbekannt

Ehrlich gesagt, habe ich bewusst noch nie eine Gallwespe gesehen. Doch die vielgestaltigen Wohnstätten (die Gallen) ihrer Larven begegnen mir (und Ihnen vielleicht auch) regelmäßig. Die Arten dieser Familie sind ebenfalls klein und völlig unscheinbar gefärbt. Ihre Körpergestalt ist meist etwa gedrungen, wobei der Hinterkörper bei vielen seitlich etwas zusammengedrückt wirkt.

Im Unterschied zu den anderen Familien der Terebrantes, entwickeln sich die Larven der Gallen von Andricus ostrea an Eichenblätternmeisten Gallwespen-Arten nicht in anderen Insekten, sondern in Pflanzen. Die, die parasitisch leben, haben eine im Grunde gleiche Lebensweise wie die Erzwespen. Ich beschränke mich hier deshalb auf die Pflanzengallen bildenden Arten. Leider habe ich es in den letzten Jahren versäumt, diese interessanten Wucherungen fotografisch festzuhalten - aber, das werde ich zukünftig ändern, so, dass ich hier ein paar dieser Gebilde präsentieren kann.

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Es ist für mich eines der vielen Wunder in der Natur, wie die (Pflanzen-)Gallwespen für ihren Nachwuchs diese besonderen Wohnstätten erzeugen. Die weiblichen Wespen suchen die ihrer jeweiligen Art entsprechenden Pflanze auf (die meisten Arten sind auf Eichen, schon weniger auf Rosen oder Ahorn und noch weniger auf andere Pflanzen spezialisiert) und stechen mit ihrem Legestachel in das Pflanzengelege und legen darin ihre Eier ab. Der Ort des Einstichs ist je nach Art und sogar Generation verschieden. Im Grunde ist jeder Teil der Pflanze betroffen. Es gibt Arten, die ihr Gelege in Blätter oder Knospen, andere in Zweige oder Äste und wieder andere in Wurzeln einbringen. Gleichzeitig mit den Eiern werden von den Wespen spezielle chemische Wuchsstoffe mit in das Pflanzengewebe eingebracht. Diese Stoffe bringen die Zellen der Pflanze rund um die Einstichstelle dazu, diese (jeweils arttypischen) Wucherungen - Gallen genannt - zu bilden. In den Gallen bilden sich Hohlräume, in denen die Larven vor äußeren Einflüssen geschützt Diplolepis rosaeleben. Sie ernähren sich darin vom sie umgebenden Pflanzengewebe. Es gibt Gallen unterschiedlichster Formen, Größen und Farben. Es gibt kleine, flache und runde von nur wenigen Millimetern, andere haben einen Durchmesser von bis zu drei, vier Zentimetern und erinnern an kleine Äpfel und viele verholzen mit der Zeit. Besonders Eichen sind manchmal geradezu übersät mit weit sichtbaren, oft rot leuchtenden, großen, kugeligen Gallen. Geradezu bizarr dagegen wirken die Gallen der Rosengallwespe Diplolepis rosae - davon kann ich Ihnen links in der Bildleiste ein Foto präsentieren.

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Durch die arttypischen Gallen lassen sich die Gallwespen am ehesten bestimmen, die Wespe selbst ist dagegen oft unbestimmbar. Doch auch die Gallen können nicht immer weiterhelfen. Das liegt insbesondere daran, dass bei einigen Arten die Gallen der in einem Jahr auftretenden Generationen völlig unterschiedlich geformt und sogar an der Wirtspflanze an anderen Pflanzenteilen verursacht werden. Es kann also ein und die selbe Art im Laufe eines Jahres verschiedene Gallen hervorrufen. Als Beispiel sei dazu nur die sehr häufige Eichen-Schwammgallwespe Biorrhiza pallida erwähnt. Die im Sommer aus schwammigen, kartoffelartigen Gallen an den Triebspitzen von Eichen schlüpfende Generation verpaart sich und die Weibchen graben sich danach in den Boden zu den Wurzeln der Eiche hinab. In die sticht sie ihre Eier ein und es entstehen knollige Wurzelgallen. Aus ihnen schlüpft meist im Dezember - Januar eine Wintergeneration. Deren Weibchen klettern (da flügellos) mitten im Winter den Stamm hinauf zu den Zweigspitzen und stechen ihrerseits ihre Eier in die Knospen der Eiche, was diese schwammigen, kartoffelartigen Gallen entstehen lässt, in der die Sommergeneration heranwächst. Sie sehen, die Natur macht es uns nicht leicht, Gallwespen zu bestimmen.

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Weiter erschwert wird die Bestimmung von Gallen, beziehungsweise der sie verursachenden Gallwespen, zusätzlich durch den Umstand, dass nicht nur diese kleinen Wespen Gallen entstehen lassen können. Denn auch Gallmücken, Gallmilben und einige, wenige Arten aus der Gruppe der Pflanzenwespen nutzen die gleiche Methode für ihre Nachkommen. Außerdem kann es an Pflanzen auch Wucherungen geben, die rein äußerlich wie Gallen erscheinen, aber keine sind. Diese gallenähnlichen Gebilde können von bestimmten Bakterien, Pilzen oder auch Blattflöhen verursacht werden.

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Auch hier hoffe ich, Ihnen einen kleinen Einblick in diese Familie gewährt zu haben. Vielleicht schauen sie sich bei Ihrem nächsten Spaziergang eine Eiche einmal etwas genauer an. Vielerorts wird man da schnell fündig in Sachen Gallen.

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5. Die Familie der Blattlauswespen (Aphidiidae) - Artenzahl mir unbekannt

Die Arten dieser Familie sind sehr klein (2- 3mm) und sehen aus wie Minischlupfwespen, mit denen sie nahe verwandt sind. Jeder Gartenbesitzer und Gärtner sollte sie zu schätzen wissen, denn sie parasitisieren ausschließlich in Blattläusen (es sind eigentlich alle Arten betroffen) und können ganze Kolonien dieser Schadinsekten in kurzer Zeit vernichten. Die Weibchen stechen in jede Blattlaus ein Ei und die in der Laus schlüpfende Larve frisst diese nach dem schon erwähnten Muster von innen her auf. Je nach Art, verpuppen sich die ausgereiften Larven in oder unter der leer gefressenen Chitinhülle ihres Wirtes. Ohne ihre unermüdliche Legetätigkeit in den wärmeren Monaten würde es sicher überall zu wahren Blattlausinvasionen kommen.

Mehr ist zu diesen überaus nützlichen, kleinen Wespen von meiner Seite aus nicht zu sagen.

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Ich möchte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass seit einigen Jahren bestimmte Arten aus den vorgestellten Familien in kontrollierter Umgebung gezüchtet und dann für die biologische Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Im Grunde kann sich jeder solche Nützlinge kaufen. Zum Einsatz kommen sie zum Beispiel zur Bekämpfung von Motten, Weißer Fliege oder Blattläusen - und gegen viele weitere Schädlinge.

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Stand: 16. Dezember 2017