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Wespen 3 - Wegwespen

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Letzte Aktualisierung:

16. Dezember 2017 08:22


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Teil 3 - Wegwespen (Pompilidae)

Allgemeines über die Gruppe der Wegwespen

Der dritte Teil von "Wissenswertes über Wespen" ist den Wegwespen gewidmet. Ihr Äußeres entspricht schon nicht mehr dem der "klassischen" Wespe. Und so werden sie dann auch von vielen Menschen schon nicht mehr als Wespen erkannt.

Jede der rund einhundert in Mitteleuropa vorkommenden Wegwespen-Arten macht für ihren Nachwuchs Jagd auf Spinnen. Manche unter ihnen nehmen dafür sogar regelmäßig den Kampf mit sehr wehrhaften Spinnen und oft auch wahren "Spinnenmonstern" auf. Dennoch sind die Kämpfe meist kurz und die Wegwespe wohl ausnahmslos immer die Siegerin. Sie benötigen pro Nest und abgelegtem Ei immer nur eine Spinne - was bei der Größe der Beutetiere auch nicht wirklich verwundert. Ähnlich wie bei den Sandwespen herrscht bei den Wegwespen die Farbe schwarz vor. Neben diesen einheitlich gefärbten Tieren gibt es noch welche, deren Hinterleib mit mal mehr, mal weniger leuchtend roten Flecken versehen ist - nur wenige Arten haben gelbliche oder weiße Stellen.

Die Nester der Wegwespen können je nach Art sowohl selbst gegraben in meist sandigem Boden, oder in Fels- und Mauerspalten oder ähnlichen Hohlräumen und scheinbar selbst in Schneckenhäusern sein. Wenige Arten bauen auch gar kein Nest, sie überwältigen die Spinnen auf die sie spezialisiert sind, in ihrem Netz und belassen sie gelähmt und mit einem Ei belegt einfach dort (da es sich hierbei fast immer um Röhrenspinnen handelt, ist das "Gelege" dennoch verborgen und etwas geschützt, da die Spinne in ihrer getarnten Gespinströhre am Boden verbleibt).

Leider konnte ich bislang nur wenige Wegwespenarten fotografieren, da sie, wie die Sandwespen, fast immer in Bewegung sind. Ich füge am Ende noch ein paar kurze Beispiele anderer Arten an, die ich selbst aber noch nie gefunden habe.

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Die erste Wegwespe, die ich auf meinen Exkursionen in den letzten Jahren fotografieren konnte, war die besonders in Sandgebieten weit verbreitete und häufige Frühlings-Wegwespe Anoplius viaticusAnoplius viaticus. Sie ist im Sandgebiet nahe der Startbahn-West des Frankfurter Flughafens ziemlich häufig anzutreffen. Außerdem ist sie die erste Wegwespe, die man im Jahr finden kann. Je nach Witterung lockt die zunehmend wärmende Sonneneinstrahlung im Frühling schon Ende März, meist aber erst im April die im Sandboden überwinternden befruchteten Weibchen aus ihren Winternestern. Kaum sind sie erwacht,Trochosa beginnen sie umgehend mit den Nestgründungen. Dafür gehen sie zunächst auf die Jagd - und zwar nach Wolfspinnen. Meist sind es Spinnen der Gattung Trochosa die ihr zum Opfer fallen. Diese, man könnte meinen, sehr wehrhaften Spinnen, sind meist um einiges größer als ihre Jägerin. Doch wenn eine Frühlings-Wegwespe sie in ihrem Versteck (diese Spinnen sind nachtaktiv und tagsüber gut verborgen unter Steinen, Holzstückchen, Moospolstern o.ä.) aufspürt, gibt es nur einen sehr kurzen Kampf - bei dem die Spinne wohl ausnahmslos die Verliererin ist.

Ich konnte solch ein Schauspiel leider erst einmal beobachten - doch leider nicht fotografieren (hatte ausgerechnet da meine Kamera nicht dabei). Es dauerte keine Minute, bis die Wespe ihren Stich anbringen und die Spinne dadurch wirklich rasend schnell gelähmt wurde. Anschließend packte sie ihre Beute an der Unterseite und zerrte sie rückwärts gehend zwischen den Heidekrautbüschen hervor und weiter zur nächstgelegenen freien Sandfläche - die war etwa zwei Meter entfernt. Dort legte sie die Spinne in den Schatten eines kleinen Grasbüschels und rannte dann in einem aberwitzigen Tempo kreuz und quer in der näheren Umgebung über den Sand. Zwischendurch kam sie dabei immer wieder kurz zu der abgelegten Spinne zurück. Das ging in etwa eine halbe Stunde lang so und ich wollte schon wieder aufbrechen, doch dann begann die Wespe etwa fünfzig Zentimeter von dem Grasbüschel entfernt im Sand zu graben. Es dauerte eine Weile, bis sie ihr Nest fertig hatte, jedenfalls rannte sie schließlich wieder los und musste einen Moment suchen bis sie die Spinne wieder fand. Dann packte sie sie erneut und schleppte sie rückwärts zum Nesteingang und verschwand mit ihr in der Tiefe. Dort legte sie dann ihr Ei ab (konnte ich natürlich nicht sehen - aber so ist ja der Ablauf) und kam eine Weile später wieder heraus und scharrte das Loch wieder komplett zu. Sie bemühte sich sogar, den lockeren Sand mit ihrem Hinterleib etwas zu verfestigen. Dann schien sie sich erneut auf die Jagd zu begeben, aber ich verlor sie dabei aus den Augen.

Diese spannende Nistphase geht dann insgesamt bis etwa Anfang Juni (es schlüpfen ja nicht alle überwinternden Weibchen gleichzeitig und so können die als erstes geschlüpften schon im April mit ihren Nestern fertig und gestorben sein, während andere jetzt erst aus der Erde kommen). Da Anoplius viaticus in fast allen Sandgebieten vorkommt und dann auch meist nicht selten ist, sollten Sie eines vielleicht mal im Frühjahr besuchen und nach ihr Ausschau halten - mit etwas Glück und vor allem Geduld können Sie sicher auch ein solches Erlebnis haben. Im Frühsommer/Sommer gibt es dann ein paar Wochen, in denen man diese Wegwespe nicht mehr finden kann. Die Nestgründerinnen des Frühjahrs sind gestorben und die neue Generation schlüpft erst ab etwa Mitte Juli. Dann kann man aber auch die Männchen sehen, die nun ihr kurzes Leben beginnen. Bis etwa Ende August - September geht nun die Paarungszeit an deren Ende die Männchen sterben. Die nun befruchteten Weibchen dagegen sind nun wieder bei eifrigen Grabungen zu beobachten. Jetzt werden aber keine Nester gegraben sondern Winterquartiere in denen sie bis zum folgenden Frühjahr verharren und ein neuer Zyklus beginnt.

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Die zweite Wegwespe, die ich fotografieren konnte, gehört zu den etwas selteneren Art und wird auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet (RL 3) eingestuft. Es handelte sich um Cryptocheilus versicolorCryptocheilus versicolor, die scheinbar keinen deutschen Namen hat. Leider sind meine Kenntnisse über diese Art eher dürftig und ich konnte auch bislang nicht wirklich viele Informationen recherchieren. Darum sind die folgenden Angaben eher Vermutungen die aus meinen Beobachtungen stammen und durch keine anderen Quellen bestätigt sind. Cryptocheilus versicolor kommt meist nur in klimatisch günstigen, warmen Gebieten vor und besiedelt eher karge, trockene Lebensräume wie Trockenrasen - aber auch trockenes, mageres Ödland, da fand und finde ich sie hin und wieder immer noch. In ihre Nester, die scheinbar sowohl in Sand- als auch Lehmböden angelegt werden, trägt sie, so vermute ich, Glattbauchspinnen der Gattung Gnaphosa ein. Das ist wirklich nicht sicher, ich habe nur einmal ganz flüchtig eine Wegwespe dieser Art mit einer erbeuteten Spinne gesehen und konnte diese aber in der kurzen Zeit nicht eindeutig identifizieren. Es war jedenfalls eine große, schwarze Spinne, die auf den ersten Blick an eine Glattbauchspinne erinnerte. Es kann also auch eine andere Gattung sein, die in ihrer Gestalt diesen ähnelt. Auf jeden Fall ist die Beute dieser Wegwespe, egal ob nun Glattbauchsinne oder eine andere in Gestalt und Farbe ähnliche Spinne, ein ebenfalls sehr wehrhafter und für andere Insekten sicher meist tödlicher Gegner. Ich würde einen solchen Kampf zu gerne einmal beobachten. Cryptocheilus versicolor begegnet mir meist ab Ende Juni bis September. Mehr kann ich leider nicht zu dieser Art sagen.

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Die dritte Art, die ich bislang bei meinen Touren fotografieren konnte, ist die Bleigraue Wegwespe Pompilus cinereus. Sie begegnete mir 2008 erstmalig, als ich gezielt im Pompilus cinereusSandgebiet am Frankfurter Flughafen nach Hautflüglern suchte. Ich brauchte viel Geduld und viele Versuche, ehe ich ein einziges, halbwegs brauchbares Foto dieser wieselflinken Art erhielt. Während Anoplius viaticus in dem Gebiet fast jede freie Sandfläche besiedelt, ist die Bleigraue Wegwespe dort nur auf wenigen, besonders lockeren Sandstellen zu finden. Sie macht ebenfalls Jagd auf Wolfspinnen, doch eher auf Arten der Gattung Arctosa. Diese schleppt sie nach einem kurzen Kampf, in dem sie die Spinne mit einem Stich lähmt, vorwärts zu ihrem bereits zuvor gegrabenen Nest - was vom Verhalten von Anoplius viaticus völlig abweicht. Zudem legt sie ihre Beute während der Eröffnung des Nesteingangs nicht einfach ab, sondern scharrt sie etwas mit Sand zu. Pompilus cinereus ist von etwa Juni bis September auf solchen lockeren Sandflächen zu finden - meist sind das Binnendünen oder größere Sandgruben.

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Die vierte Art, von der mir eine Aufnahme glückte, gehört zur Gattung Arachnospila und kann Arachnospila spec.leider nicht bis zur genauen Art bestimmt werden. Und noch bedauerlicher ist der Umstand, dass ich keinerlei Informationen zu dieser Gattung liefern kann. Ich kann nur erwähnen, dass der Fundort nicht in einem Sandgebiet, sondern einer eher feuchteren Wiese am Mainufer lag. Es gibt dort zwar eine kleine, meist trockene Sandfläche, doch die misst kaum zwei mal zwei Meter. Doch kann ich kaum glauben, das sie dort nistet. Denn diese Fläche ist häufig von Menschen frequentiert. Vielleicht weiß ein Leser genaueres über diese Gattung?

 

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Alle bislang von mir gefundenen und teilweise fotografierten und hier vorgestellten Wegwespenarten machen Jagd auf Bodenspinnen, die keine Netze bauen sondern selbst frei umherstreifende Jäger sind (bei der zuletzt vorgestellten Gattung Arachnospila kann ich das natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen). Aber auch andere Spinnenarten sind vor Wegwespen nicht sicher. Trichternetzspinnen wie z.B. Tegenaria atrica, die vielen vielleicht schon begegnete große Hausspinne, Krabbenspinnen, Sackspinnen und auch Radnetzspinnen (die in ihrem Netz angegriffen und überwältigt werden) müssen sich vor ihnen in Acht nehmen. Die Wegwespenarten, die nicht im Boden nisten, haben es manchmal noch schwerer, ihre oft riesige Beute zum Nest zu transportieren. Es scheint doch mühsamer, ein Gewicht beispielsweise einen Felsen hinauf zu zerren, als es über ebenen Boden zu schleifen... Manche Wegwespenarten beißen den gelähmten Spinnen alle Beine ab, damit sie nicht mehr ganz so sperrig und leichter zu transportieren sind. An dieser Stelle möchte ich nun noch Wespen erwähnen, die in ihrem Aussehen und ihrem Verhalten (sie machen Jagd auf Baldachin-, Radnetz- und Kugelspinnen) an eine Wegwespe denken lassen. Sie bauen aber Liniennester in länglichen Hohlräumen wie Pflanzenstängeln, Käferfraßgänge oder auch Nisthilfen für in Hohlräumen nistende Wildbienen. In die einzelnen Kammern dieser Liniennester tragen sie mehrere Spinnen als Larvenproviant ein. Diese Nistweise unterscheidet sie erheblich von den Wegwespen. Nicht zu Unrecht, denn diese Wespen sind Grabwespen und Angehörige der Gattung Trypoxylon. Leider habe ich auch diese Wespen noch nie gesehen.

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Ich hoffe, ich konnte ihnen mit diesem Artikel wirklich einen kleinen Einblick in das Leben der Familie der Wegwespen bieten. Scheuen Sie sich nicht, mir Kritik, Anregungen, Verbesserungen, Zusatzwissen oder natürlich auch Lob zukommen zu lassen. Alles, was mir hilft, Naturspaziergang zu verbessern ist immer Willkommen - und lobende Worte motivieren, weiter zu machen, trotz Finanznot.

 


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© 2008 by Andreas Haselböck

 
 
 

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Stand: 16. Dezember 2017