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Wespen 5 - Pflanzenwespen

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Letzte Aktualisierung:

16. Dezember 2017 08:22


Teil 1-Faltenwespen Teil 2-Grabwespen Teil 3-Wegwespen Teil 4-Schlupfwespen Teil 5-Pflanzenwespen Teil 6-Schmarotzer

 
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Teil 5 - Pflanzenwespen (Symphyta)

Allgemeines über die Gruppe der Pflanzenwespen

Der fünfte Teil beschäftigt sich nun mit Wespen, die in ihrer Gestalt nicht einer "klassischen" Wespe ähneln. Sie haben keine "Wespentaille" und sind in ihrem (wenn auch oft länglichen) Körperbau eher kompakt. Einige Arten sind aber durchaus schwarz und gelb gezeichnet und imitieren ihre wehrhaften Verwandten aus der Familie der Faltenwespen (wenige, einzelne Arten ähneln auch Hornissen) um sich vor Fressfeinden zu schützen. Man nennt dies Mimikry. Da Pflanzenwespen keinen Wehrstachel besitzen, bietet so eine gefährlich wirkende Färbung einen gewissen Schutz. In ihrer Färbung sind manche wirklich außergewöhnlich. Es gibt neben den schwarzgelben auch leuchtend grüne, gelbe, orange, rötliche, schwarze und blau schillernde Arten. In Gestalt, Größe und Färbung gibt es zwischen (und auch innerhalb) den Familien dieser Gruppe oft große Unterschiede. Einige Arten sind richtige Riesen und gehören zu den größten heimischen Hautflüglern. Wie bei vielen anderen Familien der Hautflügler ist auch die Bestimmung der etwa 800 mitteleuropäischen Pflanzenwespenarten meist sehr schwierig bis unmöglich (in der freien Natur oder anhand von Fotos).

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Allen gemeinsam ist die Entwicklung ihrer Larven auf oder in Pflanzen. Diese Larven gleichen auf den ersten Blick Schmetterlingsraupen und werden sehr oft mit ihnen verwechselt. Wenn man aber genauer hinschaut, erkennt man, dass sie mehr Stummelfüßchen als diese haben und im Gegensatz auch nur kleine, punktförmige Augen besitzen. Die Larven der meisten Arten fressen an Blättern verschiedenster Pflanzen (wobei Gehölzpflanzen von den meisten Arten bevorzugt werden), manche minieren auch (die winzigen Larven fressen innerhalb des Blattes und hinterlassen darin Fraßgänge), einige sind dabei sehr gesellig, andere eher Einzelgänger und manche leben auch in seidigen Gespinsten. Es gibt aber auch Arten, deren Larven in Holz leben und manchmal jahrelang Gänge hindurch nagen. Verblüffend ist dabei, dass die Larven dabei nicht das Holz fressen, sondern einen Pilz. Wegen der Bevorzugung von Gehölzpflanzen der Mehrheit unter den Pflanzenwespen, trifft man an Waldrändern, Gebüschsäumen oder in Waldnähe am Häufigsten auf Angehörige dieser Familien.

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Auch über diese artenreiche Gruppe habe ich eher geringe Kenntnisse und kann die einzelnen Familien deshalb auch nur allgemein beschreiben. Hinzu kommt, dass es meist keine oder nur spärliche Informationen über Pflanzenwespen gibt. Beispielsweise habe ich nur in ganz seltenen Fällen Zugang zu Informationen über die Futterpflanzen der einzelnen Arten. Aber vorstellen muss ich sie Ihnen. Da sie in der Natur meist allgegenwärtig sind und natürlich auch der Vollständigkeit halber.

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1. Die Familie der Blattwespenartigen (Tenthredinoidea)

1.1 Echte Blattwespen (Tenthredinidae)

Das ist die artenreichste Familie in dieser Gruppe. In ihr befinden sich die meisten Arten, die sich der Mimikry bedienen und Faltenwespen oder andere wehrhafte Wespenarten nachahmen. Auch die buntesten Pflanzenwespen sind wohl zumeist in dieser Familie anzutreffen. Die Larven der meisten Blattwespen fressen wie Schmetterlingsraupen an Blättern verschiedener Pflanzen, nur wenige sind Blattminierer oder fressen und reifen in Gallen heran. Etwas überraschend ist, dass die Eier der Blattwespen fast ausnahmslos in das Pflanzengewebe gestochen werden - obwohl die meisten Larven ja auf den Blättern leben. Die Mehrzahl der ausgewachsenen Blattwespen-Arten ernährt sich von Blütennektar und Pollen. Es gibt aber auch Räuber unter ihnen, die Jagd auf kleinere Insekten (meist Fliegen und Mücken) machen.

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Ich habe zwar bei meinen Touren schon ein paar Angehörige der Echten Blattwespen fotografieren können, doch lohnt sich eine einzelne Vorstellung dieser Arten nicht, da ich fast zu keiner zusätzliche Angaben (z.B. Futterpflanzen) machen kann. Um Ihnen aber einen kleinen Einblick in die Vielfalt dieser Familie zu ermöglichen, stelle ich einen Teil der Funde hier vor (alle sind hier zu sehen).

Athalia rosae Dolerus spec. Elinora koehleri Eutomostethus ephippium Macrophya alboannulata / albicincta

Athalia rosae

Rübenblattwespe

Futterpflanze: Kreuzblütengewächsen, dazu zählen auch Kulturpflanzen wie Senf, Raps oder Rüben

Dolerus spec.

Futterpflanze: unbekannt

Elinora koehleri

Futterpflanze: Geranium-Arten und evtl. Cardamine-Arten

Eutomostethus ephippium

Sattel-Blattwespe

Futterpflanze: Gräser

Macrophya alboannulata / albicincta

Futterpflanze: wohl Holunder

Macrophya montana

Tenthredo maculata

Tenthredo mesomela

Tenthredo notha

Tenthredo olivacea

Macrophya montana

Futterpflanze: wohl Rubusarten (Brombeere, Himbeere)

Tenthredo maculata

Futterpflanze: Gräser der Gattung Dactylis?

 

Tenthredo mesomela

Futterpflanze: unbekannt

Diese Art frisst als Imago auch kleinere Insekten

Tenthredo notha

Futterpflanze: unbekannt

 

 

Tenthredo olivacea

Futterpflanze: unbekannt

 

 

Tenthredo trabeata

Tenthredo trabeata

Futterpflanze: unbekannt

Jetzt sollten Sie zumindest eine Ahnung von der Vielfalt innerhalb dieser Familie haben.

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1.2 Buschhornblattwespen (Diprionidae)

Diese artenarme Familie habe ich leider noch nicht gefunden und kann Ihnen leider kein Foto präsentieren. Die Larven dieser Familie fressen an den Nadeln von Fichten und Kiefern (je nach Art). Da sie in Massen Auftreten können, sind sie gefürchtete Forstschädlinge.

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1.3 Bürstenhornblattwespen (Argidae)

In dieser Familie gibt es unscheinbar braun, schwarz als auch leuchtend orange gefärbte Tiere - oft haben sie einen metallischen Glanz. Ihre Gestalt ist meist eher plump und sie sind mehrheitlich verblüffend schlechte Flieger. Zu den Futterpflanzen gehören Doldenblüter, sowie Gehölze (Weiden, Birken) und Rosen (manchmal befinden sich soviele Larven auf einer Pflanze, das selbst der schönste Rosenstrauch in kurzer Zeit kahl gefressen ist).

Arge ochropusIch habe bislang erst eine Art dieser Familie fotografieren können:
Arge ochropus.

Ihre Larven fressen an den Blättern des Großen und Kleinen Wiesenknopfs (auch andere Pflanzen?)

 

 

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1.4 Keulhornblattwespen (Cimbicidae)

Abia nitens

Rote Liste 2

Cimbex femorata?

Eine noch verhältnismäßig häufige Art, die Nina da gefunden hat.

Corynis obscura

Rote Liste 3

 

Die Keulhornblattwespen stellen die zweitgrößten Arten unter den Pflanzenwespen. Sie haben fast alle einen massigen, plumpen Körper und sind keine geschickten Flieger. Viele Arten sind düster, dunkel gefärbt, andere ähneln Hornissen und wenige sind grünlich oder bläulich - überwiegend gemein ist ihnen ein mehr oder weniger ausgeprägter Metallglanz. Insgesamt finde ich diese Insekten sehr beeindruckend und schön. Die meisten Arten der Familie sind selten bis sehr selten und finden sich auf der Roten Liste der Tiere (Deutschland). Noch beeindruckender, aber von mir leider noch nie in der freien Natur gefunden, sind die Larven der Keulhornblattwespen. Manche werden bis zu fünf Zentimeter groß und sind sehr massig! Sie fressen frei auf Blättern von Bäumen und Sträuchern, oft Birke (Gattung Cimbex) und Geißblatt (Gattung Zaraea) oder auf verschiedenen krautigen Pflanzen (Gattung Abia). Die Larven können bei Gefahr einen dünnen Strahl Körper-
flüssigkeit bis zu zwanzig Zentimeter recht zielgenau verspritzen (Reflexbluten). Ich kann Ihnen drei Arten mit Foto präsentieren. Diese gehören zwar nicht zu den beeindruckensten, größten Vertretern der Familie, vermitteln aber einen Eindruck der vorherrschenden Gestalt (wobei Abia nitens aber sicher zu den schönsten und seltensten gehört).

 

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Es gibt noch zwei weitere Familien unter den  Blattwespenartigen (Tenthredinoidea). Zu diesen weiß ich jedoch überhaupt nichts, darum lasse ich sie hier weg.

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2. Die Familie der Gespinstblattwespenartigen (Megalodontesoidea)

2.1 Gespinstblattwespen (Pamphiliidae)

Die Arten dieser Familie erscheinen durchaus attraktiv. Es herrschen Farbkobinationen aus schwarz und gelb, schwarz und orange sowie schwarz und rot vor. Bei einigen Arten glänzt das Schwarz blaumetallisch. Die Larven aus dieser Familie leben einzeln oder gesellig in seidigen (oft völlig kotverdreckten) Gespinsten. Ein weiterer Unterschied zu den Larven der übrigen Familien der Gruppe besteht in den verkümmerten Füßchen (die in den Gespinsten eher hinderlich wären). Als Futterpflanzen dienen je nach Art Laub- oder Nadelbäume. Besonders die auf Nadelgehölze spezialisierten Arten gelten zum Teil als Forstschädlinge.

 

Ich kann Ihnen aus Mangel an Funden nur eine Art aus der Familie zeigen - und das auch nur mit einem miserabelen Foto... Die Stahlblaue Kiefern-Gespinnstblattwespe (Acantholyda erythrocephala), eine der selteneren Arten:

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2.2 Megalodontesidae

Zu dieser Familie der Gespinstblattwespenartigen kann ich Ihnen leider kaum Informationen liefern. Einige Arten scheinen recht selten zu sein. Die Larven der Megalodontesidae fressen scheinbar eher auf krautigen Pflanzen - ebenfalls in seidigen Gespinsten. Ich kann Ihnen aber eine Angehörige von ihnen mit Foto präsentieren:

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3. Die Familie der Halmwespenartigen (Cephoidea)

3.1 Halmwespen (Cephidae)

Die Halmwespen gehören wieder zu einer Familie, zu der ich nicht allzu viel weiß. Die überwiegende Zahl der Arten haben einen länglichen Körperbau mit etwas keuligem Hinterleib. Die Färbung ist meist schwarz mit mehr oder weniger ausgedehnten gelben Zeichnungen. Ihre Larven leben nicht frei auf Pflanzen sondern in ihnen. Meist sind Gräser die Futterpflanzen und die Larven mit ihren verkümmerten Beinen fressen in den Halmen. Da auch Getreide zu den Gräsern gehört, wird auch dies von manchen Arten als Futter-
pflanze ausgewählt. Bei massenhaftem Auftreten von beispielsweise der Getreidehalm-
wespe können ganze Felder vergilben und die Ähren vor der Reife vertrocknen (das passiert aber wegen des Einsatzes von Insektiziden aber seit Jahrzehnten nicht mehr). Anders als die anderen Familien der Pflanzenwespen, findet man die Halmwespen aufgrund ihrer Lebensweise eher auf Wiesen und Feldern und selten am Waldrand oder ähnlichem.Cephus pygmeus

Die Getreidehalmwespe Cephus cf. pygmeus ist die einzige Art dieser Familie die ich bislang fand. Aber die zeige ich Ihnen natürlich - stellvertretend für die anderen.

 

 

 

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4. Die Familie der Holzwespenartigen (Siricoidea)

4.1 Holzwespen (Siricidae)

Eine Holzwespe habe ich leider noch nie zu Gesicht bekommen. Unter ihnen gibt es die größten Arten der Pflanzenwespen, sogar mit die größten Hautflügler in Deutschland (Urocerus gigas, die Riesenholzwespe wird bis zu vier Zentimeter groß). Besonders diese großen Arten ähneln oft Hornissen, andere könnte man für größere Schlupfwespen halten.

Sehr viel kann ich Ihnen leider nicht über diese Familie mitteilen. Die Holzwespen stechen ihre Eier nicht in Blätter oder grüne Pflanzenteile sondern in Holz (Rinde) - meist Totholz. Die Larven nagen dann (manchmal über Jahre) Gänge hinein. Dabei fressen sie aber nicht das Holz, sondern einen Pilz. Sporen dieses Pilzes befinden sich in den Weibchen dieser Familie und werden bei der Eiablage mit in das Holz eingeimpft. Die Larven sind ihrer Lebensweise angepasst und haben keine Beine und völlig verkümmerte Augen. Wegen der oft langen Entwicklungszeit der Larven kommt es vor, dass das Holz, in dem sie wohnen z.B. in Häusern verbaut wird. Es scheint gar nicht so selten zu sein, dass die fertige Holzwespe schließlich in einem Haus schlüpft, durch das Zimmer brummt und besonders die großen Arten dann den menschlichen Bewohner mit ihrer Hornissenähnlichkeit einen riesigen Schrecken einjagen.

 

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Des weiteren gibt es wohl noch zwei weitere Familien in der Gruppe der Pflanzenwespen, doch auch von denen weiß ich überhaupt nichts und lasse sie deshalb weg. Sie scheinen auch keine große Bedeutung in unserer heimischen Fauna zu haben.

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Ich hoffe, mein Versuch Ihnen einen kleinen Einblick in die Welt der Pflanzenwespen zu verschaffen ist geglückt.

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Teil 1 - Faltenwespen (Vespidae)

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Teil 2 - Grabwespen (Sphecidae)
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Teil 3 - Wegwespen (Pompilidae)

Hier geht es zu Teil 4 - Schlupfwespen u.a. (Terebrantes)
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Teil 6 - Schmarotzende Solitärwespen (Goldwespen u.a.)

 

© 2008 by Andreas Haselböck

 
 
 

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Stand: 16. Dezember 2017