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Wespen 2 - Grabwespen

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16. Dezember 2017 08:22


Teil 1-Faltenwespen Teil 2-Grabwespen Teil 3-Wegwespen Teil 4-Schlupfwespen Teil 5-Pflanzenwespen Teil 6-Schmarotzer

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Teil 2 - Grabwespen (Speciformes - Sphecidae / Crabronidae - siehe Systematik der Hautflügler)

 

Allgemeines über die Gruppe der Grabwespen

Der erste Teil "Wissenswertes über Wespen" beschäftigte sich ja fast ausschließlich mit den Wespenarten, die die meisten Menschen sofort als Wespe erkennen. Der zweite Teil (und besonders die weiteren) behandelt die Arten, die, je nach Gattungszugehörigkeit, noch häufig oder schon nicht mehr als solche erkannt werden. Diese anderen Wespenfamilien werden meist auch gar nicht beachtet und sind vielen sogar völlig unbekannt. Dies möchte ich versuchen, zu ändern, und Ihnen diese Familien vorstellen und etwas näher bringen. Vielleicht schenken Sie ihnen bei ihrem nächsten Spaziergang dann etwas mehr Aufmerksamkeit. Viele sind eifrige Blütenbesucher da sie sich nur von Pollen und Nektar ernähren (im Gegensatz zu ihren Larven, die ausschließlich "tierische Kost" in Form von Insekten für ihre Entwicklung benötigen) und im Sommer besonders oft auf Doldenblüten zu finden, da der diesen Pflanzen nicht zu tief in der Blüte verborgen und für die kurze "Zunge" der Wespen leicht erreichbar ist.. Hinzu kommt, dass viele Arten eine geradezu spannende Lebensweise haben. Jetzt aber zu den Grabwespen, von denen viele Arten noch den "klassischen" Wespen ähneln, denen dieser zweite Teil gewidmet ist.

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Die große Familie der Grabwespen - etwa 260 mitteleuropäische Arten in vielen verschiedenen Gattungen - ist geprägt von einer außerordentlichen Formenvielfalt. Das macht es nicht immer leicht, gefundene Wespen sofort dieser Familie zuzuordnen. Nur von den Faltenwespen sind sie ganz leicht durch die nicht in Ruhe gefalteten Flügel zu unterscheiden. Es gibt sehr kleine Grabwespen von vielleicht 4mm Körperlänge, dagegen sind andere mit zweieinhalb Zentimetern wahre Riesen. Auch in der Körpergestalt ist die Bandbreite groß. Sie reicht von superschlank mit stielartig verlängertem Hinterleib, über schmal zu untersetzt und kompakt - und einige ähneln sehr der "klassischen Wespe". Letztere haben auch oft die typische schwarzgelbe Zeichnung. Zudem ist auch das Färbungsspektrum vielfältig. Es gibt ganz schwarze, die schon erwähnten schwarz-gelben, schwarz-rote und bei manchen Arten mischt sich auch noch etwas grau dazu. Man könnte bei der deutschen Familienbezeichnung "Grabwespen" nun der Meinung sein, dass sie alle ihre Nester in Wänden oder den Boden graben, doch nein, es gibt auch einige Arten, die in morschem Holz oder markhaltigen Pflanzenstängeln nisten. Allen gemein ist aber die solitäre Lebensweise und, dass sie, wie die Faltenwespen, für ihre Brut Insekten (wobei jede Art aber auf ganz bestimmte Insekten spezialisiert ist) jagen und sich selbst überwiegend von Nektar ernähren. Sie sehen, es ist wirklich nicht einfach. Darum beschränke ich mich hier auch weitestgehend auf Arten, die ich selbst schon gefunden und beobachtet habe.

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Hier nun eine kleine Auswahl meist häufiger vorkommender Grabwespen (meine Funde):

Philanthus triangulumPhilanthus triangulum, der Bienenwolf, ist sicherlich durch seine Gestalt und Färbung von jedermann zumindest als "Wespe" zu erkennen - auch die Größe von bis zu 17mm passt. Ihm begegnet man etwa von Juni bis September am ehesten in offenen, sandigen oder lehmigen Gebieten wie Sand- und Kiesgruben, Ödland, Hohlwegen und an sonnigen Steilhängen oder Abbruchkanten. Er macht der Bezeichnung Grabwespe alle Ehre. Seine Nistgänge reichen manchmal bis zu einem Meter tief. Diese gräbt er bevorzugt waagerecht in Steilwände, weicht aber beim Fehlen solcher auch auf ebene Erde aus, dort verläuft der Gang meist schräg nach unten. Am Ende des Ganges zweigen dann die eigentlichen Brutzellen ab, meist sind es fünf bis zehn.

Auch seinem deutschen Namen "Bienenwolf" wird er gerecht. Er jagt für seine Brut ausschließlich Bienen, genauer: Honigbienen. Dazu lauert er entweder auf Blüten oder Blättern auf vorbei fliegende Bienen oder sucht sie aktiv auf Patrouillenflügen. Meist greift er an, wenn die Biene auf einer Blüte landet. Dann geht es aber blitzschnell. Der Überfall geschieht so plötzlich, dass die Biene in Sekunden überwältigt und mit einem Stich gelähmt ist. Die Gegenwehr der Biene verpufft am glatten, harten Panzer des Bienenwolfs, ihr Stachel rutscht daran einfach ab und findet kein durchkommen. Eine Eigentümlichkeit dieser Grabwespe besteht darin, dass sie die überwältigte Biene nun den Hinterleib der Biene zusammenpresst und somit aus deren Honigmagen den darin befindlichen Nektar quetscht, der dann aus dem Rüssel heraus quillt. Den saugt der Bienenwolf dann begierig auf.

Schließlich dreht er die Biene auf den Rücken, packt sie mit den Beinen und fliegt mit ihr zu seinem Nest, in das er, kaum angekommen, trotz der schweren Last rasch hineinschlüpft. Das Bienenwolfweibchen weiß, welches Geschlecht ihre (aus unbefruchteten Eiern schlüpfen männliche, aus befruchteten weibliche) Nachkommen haben werden. Und so belegt sie die jeweiligen Brutzellen mit entweder zwei bis drei Bienen für die heranreifenden Männchen und mit drei bis sechs für die Weibchen. Meistens überwintern die Larven und verpuppen sich im folgenden Frühjahr, doch in sehr warmen Sommern verpuppen sie sich bald nach der Reife und bilden somit eine zweite Generation.

Auch, wenn der Bienenwolf in manchen Jahren (besonders warm und trocken) und großem Nahrungsangebot (ein Imker mit Bienenstöcken in der Nähe) in sehr großer Individuendichte auftritt, wird er nur sehr selten den Honigertrag eines Imkers schmälern.

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Cerceris rybiensisEine weitere, Bienen jagende Grabwespenart ist Cerceris rybiensis, die den passenden deutschen Namen "Bienenjagende Knotenwespe" trägt. Sie ist aber deutlich kleiner als der Bienenwolf und erreicht höchstens 12mm (Weibchen) Körperlänge. Anders als die vorangegangene Art, macht Cerceris rybiensis ausschließlich jagt auf Wildbienen (meist Furchen- oder Sandbienen). Sie besiedelt vorzugsweise offene, sandige Flächen, seltener auch festere Böden. In solchen Sandgebieten trifft man sie meist regelmäßig etwa von Juni bis September an und kann ihr mit etwas Glück sogar beim Nestbau zuschauen. Sie gräbt etwa fünfzehn Zentimeter senkrecht hinab reichende Gänge an deren Ende sich dann die Brutzellen befinden. Um den Nesteingang baut sich während der Grabtätigkeit ein stetig wachsender Wall aus Auswurfmaterial auf. Da diese Knotenwespe oft auch gesellig in Kolonien in geeigneten Flächen nistet, wirken diese häufig wie ein Miniaturbombenkraterfeld.

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Gorytes laticinctusEine meiner liebsten Grabwespen ist Gorytes laticinctus, die meines Wissens nach keinen deutschen Namen besitzt. Sie ist deshalb eine meiner liebsten, weil ich ihr alljährlich ganz bequem zu Hause auf der Fensterbank beim Nestbau zuschauen kann. Jahr für Jahr kommen sie, um im Sand meiner Kakteentöpfe zu nisten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell sie ein Nest nach dem anderen fertig stellen. Es fängt damit an, dass die Grabwespe mit ihrer Beute, einer Zikade (darauf ist sie spezialisiert) zuerst einige Töpfe umkreist und inspiziert bis auf einen für sie geeigneten landet. Dann legt sie die durch einen Stich gelähmte Zikade ab, sucht nach der günstigsten Stelle den Sand ab und gräbt dann sehr schnell ein etwa vier bis fünf Zentimeter tiefes Loch - dabei fliegt der Sand geradezu aus dem Loch. Schließlich packt sie ihre Beute und zerrt sie ins Nest. Während sie dann in der Umgebung nach weiteren Zikaden sucht, bleibt der Nesteingang offen. Wenn ich immer richtig gezählt habe, kommen in ein Nest drei bis fünf Zikaden. Sind die eingetragen, wird der Nesteingang wieder sorgfältig mit Sand verschlossen und nichts erinnert mehr an sein Vorhandensein. Kakteentöpfe sind natürlich nicht der eigentliche Lebensraum dieser recht kleinen Grabwespe, sie kommt meist in sandigen Biotopen vor. Doch als Opportunist nimmt sie auch kleinste vom Menschen geschaffene Biotope in Besitz, zum Beispiel nicht oder selten genutzte Sandkästen und -haufen. Flugzeit ist je nach Witterung etwa von Mai bis Juli.

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Andere Arten haben sich auf die Jagd auf Fliegen spezialisiert. Wobei natürlich nicht Fliegen allgemein erbeutet werden, sondern sich die verschiedenen Fliegenjäger wiederum auf meist einzelne Fliegengattungen oder gar Fliegenarten spezialisiert haben.

Da mir über die genaue Lebensweise dieser Fliegenjäger oft nicht genügend Informationen vorliegen, fallen die Vorstellungen etwas knapper aus.

Ectemnius continuusHäufiger als andere Gattungen findet man unter diesen Jägern meist Arten aus der Gattung Ectemnius. Sie gehören zu den Grabwespen die keine Erdnester graben, sondern Gänge in morsches Holz nagen oder markhaltige Pflanzenstängel aushöhlen und dann beziehen. Darum trifft man Arten dieser Gattung auch fast in jedem Lebensraum an - besonders in der Nähe von Auen, sowie Feldgehölzen und Waldränder mit Brombeerbewuchs. Ich konnte allein auf der Wiese am Main zwischen Okriftel und F-Sindlingen drei Ectemnius-Arten finden. Doch da sich die Arten dieser Gattung nur sehr schwer am Foto oder auch in freier Natur bestimmen lassen, sind die Bestimmungen Ectemnius continuus (relativ sicher) und Ectemnius cf. lituratus ein klein wenig unter Vorbehalt zu sehen. Sie erbeuten meist Fliegen in Stuben-
fliegenformat aus unterschiedlichen Familien. Sie nutzen zum Nestbau beideEctemnius cf. lituratus genannten Möglichkeiten - also morsches Holz und Pflanzenstängel. Darin erstellen sie Liniennester, das bedeutet, die einzelnen Zellen liegen hintereinander, oder, wenn genügend Platz vorhanden ist auch verzweigte Nester. Bei E. continuus sind das meist zehn Zellen und in jede trägt sie sechs bis acht gelähmte Fliegen ein.

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Die Gattung Oxybelus stellt ebenfalls Fliegenjäger dar. Zu deutsch heißen sie "Fliegenspießwespen". Der Name rührt daher, dass diese Grabwespen ihren Stachel nach dem lähmenden Stich nicht wieder aus der Beute (in dem Falle Fliegen) herausziehen, sondern die Fliege daran aufgespießt zum Nest transportieren. Die verschiedenen Oxybelus- Arten nisten alle in selbst gegrabenen Erdnestern - wobei es eigentlich Sandnester heißen müsste, da die Nester fast ausschließlich in Sandböden angelegt werden. Einige Arten sind deshalb in ihrem Vorkommen auf ausgesprochene Sandgebiete beschränkt, während andere nicht ganz so wählerisch und auch schon mal im Siedlungsbereich anzutreffen sind. Die beiden von mir bisher gefundenen Arten gehören da eher zu den wählerischen. Ich fand sie im Sandgebiet nahe der Starbahn-West am Frankfurter Flughafen, dass sie gemeinsam besiedeln. Zum einen ist das Oxybelus argentatusOxybelus argentatus, die Große Fliegenspießwespe, wobei "groß" da eher relativ ist, denn mit ihren maximal zehn Millimetern ist sie nur innerhalb der Gattung groß. Noch größer aber ist ihre Beute: Stilettfliegen. Das wird auf dem Foto links ganz gut deutlich. Ich hatte 2008 die Gelegenheit, eine erfolgreiche Jagd zu beobachten. Die Wespe ergriff sich eine vorbei fliegende Stilettfliege, stürzte mit ihr zu Boden und stach sofort zu. Ich war überrascht, wie schnell das Gift diese große Beute lähmte. Dann hob sie, mit der Fliege am Stachel, mühsam vom Boden ab und erreichte kaum zwanzig Zentimeter Flughöhe. Auf dem Weg zum Nest musste sie einige Male zwischenlanden (wobei das manchmal eher an Abstürzen erinnerte). Am Nest angekommen, gräbt sie den zuvor zugescharrten Eingang wieder frei und ist Sekunden später darin verschwunden - mit der Fliege natürlich.

Oxybelus bipunctatusDie andere von mir gefundene Art ist Oxybelus bipunctatus, die scheinbar keinen deutschen Namen besitzt. Sie ist etwa nur halb so groß wie die zuvor beschriebene Art und macht von daher auch auf etwas kleinere Fliegen Jagd. Scheinbar ist sie dabei auch nicht auf bestimmte Fliegengattungen spezialisiert und überwältigt Beute bis Goldfliegengröße. Ihr Verhalten gleicht ansonsten dem von O. argentatus.

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Ebenfalls ein unermüdlicher Fliegenjäger ist die Kotwespe Mellinus arvensis. Sie nistet ebenfalls in selbst gegrabenen Nestern in Sandböden. Da diese Nistflächen nicht sehr groß sein müssen, Mellinus arvensisum ihren Ansprüchen zu genügen, ist sie auch manchmal im Siedlungsbereich anzutreffen. Als Beute für den Nachwuchs dienen wohl überwiegend Fliegen aus den Familien der Schmeißfliegen und Echten Fliegen. Meist findet sie die auf weißen Doldenblütlern oder, noch häufiger, an Kot (daher ihr Name). Manchmal kann man bei Kotwespen ein ähnliches Verhalten wie beim Bienenwolf beobachten. Sie presst manche überwältigten Fliegen zusammen (anders als der Bienenwolf, der dazu seinen Hinterleib benutzt, knetet die Kotwespe ihre Opfer mit ihren Kieferzangen regelrecht durch) und quetscht so ein oder zwei Tropfen Flüssigkeit aus deren Rüssel. Das ist natürlich nicht wie bei den Bienen Nektar, sondern eine mir in ihrer Zusammensetzung unbekannte Substanz.

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Eine Beute ganz anderen Kalibers, nämlich wehrhafte Beute, jagt die kleine und recht seltene Miscophus bicolorGrabwespe Miscophus bicolor, die ebenfalls nur in ausgesprochenen Sandgebieten vorkommt. Für ihre Nachkommen müssen es Spinnen sein. Leider konnte ich bis heute nicht in Erfahrung bringen, welche Spinnenarten sie fängt. Da eine Schwesterart (M. spurius) Kugelspinnen als bevorzugte Beute überwältigt, könnte dies auch auf die von mir gezeigte Art zutreffen (Nachtrag 09. Mai 2009: ich fand eine Quelle, in der auch Weberknechte genannt werden. Ob dies richtig ist und ob vielleicht Weberknechte die einzige Beute sind, kann ich nicht sagen). Insgesamt gibt es über diese Grabwespe kaum Informationen zu finden. Vielleicht gelingen mir irgendwann einmal eigene, aussagekräftige Beobachtungen.

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Lestica clypeataViel leichter haben es da die kleinen Silbermundwespen der Gattung Lestica - wie Lestica clypeata. Sie verproviantieren ihren Nachwuchs mit Kleinschmetterlingen. Auch zu diesen Arten habe ich nur mangelhafte Informationen. Lestica clypeata nistet wohl anders als die anderen Lestica-Arten nicht im Boden, sondern in kleinen Hohlräumen in Holz (z.B. Käferfraßgänge).

 

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Zum Schluss nun noch drei Langstiel-Grabwespen, diese gehören ebenfalls zu den Grabwespen. Sie unterscheiden sich von den vorangegangenen Arten im Körperbau sehr deutlich und ähneln eher den Schlupfwespen. Sie sind fast ausnahmslos schwarz gefärbt, besitzen einen gestielten, mehr oder weniger roten Hinterleib und einige haben einen silbrig glänzenden Thorax. Ihr Vorkommen beschränkt sich meist auf offene, sandige, selten auch lehmige (nur wenige Arten) Gebiete. Sie sind zu meinem Leidwesen meist sehr schwer zu fotografieren, da sie fast den ganzen Tag in hektischer Bewegung sind und kaum einmal für fünf Sekunden stillhalten.

Die häufigste und wohl auch größte (Weibchen bis 24mm) heimische Sandwespe ist Ammophila Ammophila sabulosasabulosa, die Gemeine Sandwespe. Sie gräbt ihre Nester, die immer nur eine Brutkammer beherbergen, in leicht verfestigten Sandböden und verschließt sie sorgfältig mit einem Steinchen oder Sandbrocken, darüber scharrt sie dann Sand - so ist das Nest so gut wie unsichtbar. Erst jetzt macht sie sich auf die Jagd. Ihr Ziel sind Raupen, insbesondere von Eulenfaltern. Diese, oftmals sie in Körpergröße und Masse übertreffende Beute wird dann zu Fuß, oft über viele Meter, zum Nest geschleppt. Wird dort abgelegt und die Wespe legt den Nesteingang frei. Dann schlüpft sie vorwärts in das Loch, dreht sich darin um 180 Grad und kommt soweit wieder heraus, bis sie die gelähmte Raupe packen und so ins Nest zerren kann. Ist die verstaut, wird der Eingang wieder wie beschrieben verschlossen. Pro Nest benötigt sie, je nach Größe der Raupe, nur ein bis zwei Beutetiere.

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Ammophila campetrisDie Feldsandwespe Ammophila campetris ist quasi die kleine Schwester zur vorangegangenen Art. Sie wird nur bis 17mm (Weibchen) groß. Sie kommt in den fast gleichen Biotopen vor, ist aber anspruchsvoller und wohl dadurch auch deutlich seltener. Die Nistweise ist weitgehend gleich, doch die Beute eine gänzlich andere. Als einzige aus der Gattung Ammophila macht sie nicht auf Raupen, sondern auf Blattwespenlarven Jagd. Diese werden im Flug zum Nest transportiert.

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Der Fund der Heuschreckensandwespe Sphex funerarius hier bei Hattersheim hat mich besonders gefreut. Diese seltene, große (bis 23mm) Art kommt nur in klimatisch besonders Sphex funerariusbegünstigen, warmen Gebieten vor und besiedelt dort vegetationsarme, sandige oder auch lehmige Gebiete. Etwa in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts verschwand die Art scheinbar vollständig aus Deutschland und galt bis in die neunziger Jahre als verschollen. Dann tauchte sie plötzlich vereinzelt im Rhein-Main-Gebiet wieder auf und verbreitet sich nun offensichtlich wieder entlang des Oberrheingrabens - zumindest weiß ich von belegten Funden aus dem Karlsruher Raum. Ihre Nester weichen etwas von denen der Gattung Ammophila ab. Sie gräbt zwar ebenfalls einen schräg in die Tiefe führenden Gang in den Sandboden, doch endet der nicht in einer einzelnen Brutkammer. Stattdessen zweigen von diesem etwa fünfzehn Zentimeter langen Gang bis zu vier horizontale Nestkammern ab. Wie ihr deutscher Name verrät, ist sie auf Heuschrecken, genauer Langfühlerschrecken spezialisiert. Pro Kammer, also pro Larve benötigt sie bis zu vier Heuschrecken.

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Ich hoffe, diese bescheidene Auswahl konnte Ihnen einen kleinen Einblick in die Lebensweisen der Grabwespen verschaffen. Da ich davon ausgehe, in den nächsten Jahren noch weitere Gattungen und Arten fotografieren zu können, gelingt es mir mit der Zeit sicherlich, auch einen noch deutlicheren Überblick über die Vielfalt der Grabwespenfamilie präsentieren zu können.


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Teil 1 - Faltenwespen (Vespidae)

Hier geht es zu Teil 3 - Wegwespen (Sphecidae)
Hier geht es zu
Teil 4 - Schlupfwespen u.a. (Terebrantes)

 

Hier geht es zu Teil 5 - Pflanzenwespen (Symphyta)
Hier geht es zu Teil 6 - Schmarotzende Solitärwespen (Goldwespen u.a.)

 

© 2008 by Andreas Haselböck

 
 
 

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Stand: 16. Dezember 2017