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Wespen 1 - Faltenwespen

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16. Dezember 2017 08:22


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Teil 1 - Faltenwespen (Vespidae)

1. Soziale Faltenwespen - Unterfamilie Vespinae (Echte Wespen) und Unterfamilie Polistinae (Feldwespen) (alle sozialen Faltenwespen stehen unter Naturschutz!!)

Wenn die meisten Menschen an Wespen denken, kommen ihnen sofort die besonders ab Spätsommer oftmals lästigen, schwarzgelben Besucher am Kaffeetisch, in Kuchentheken beim Bäcker, beim Grillen oder sonstigem Aufenthalt im Freien bei dem Essen oder süße Getränke eine Rolle spielen, in den Sinn. Dabei handelt es sich in der Regel um die Deutsche Wespe (Vespula germanica) oder die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Beide Arten gehören zur Familie der staatenbildenden Faltenwespen (diese Staaten bestehen aber immer nur eine Saison, also etwa von April bis Oktober) und dort zur Unterfamilie der Papierwespen.

Der Begriff Faltenwespen rührt daher, dass die Wespen dieser Familie ihrer Flügel in Ruhe in Längsrichtung zusammenfalten. Und jeder, der einmal ein Nest einer Vertreterin der Papierwespen gesehen und vielleicht sogar anfassen konnte, weiß, woher der Name Papierwespen kommt. Diese Wespen bauen ihre aus vielen Waben zusammengesetzten Nester aus einer Mischung von Holzfasern und Speichel. Diese Mischung ergibt eine Art Papier, dass aber sehr spröde und dadurch recht brüchig ist.

Da die verschiedenen Arten der Papierwespen oftmals auf bestimmte Holzfasern für den Nestbau spezialisiert sind, kann man manchmal alleine an der Farbe (von Form und Fundort einmal abgesehen) des "Papiers" eine Art erkennen. Das wird schon bei den beiden zuvor genannten Arten von Kurzkopfwesen deutlich. Beide nisten in etwa an den gleichen Orten, mal unterirdisch (zum Beispiel in verlassenen Mäusenestern oder Kaninchenbauten) oder oberirdisch (zum Beispiel Rollladenkästen) - der Ort muss nur dunkel und verborgen sein. Die Nester haben auch die gleiche Form und können auch in etwa gleich groß werden (in Ausnahmefällen bis einen Meter Breite - was bei einer Volksstärke von bis zu 50000 Individuen / Nachkommen pro Saison nicht wundert. Aber gleichzeitig am Leben sind in so einem Riesenvolk höchstens 7000-7500 Tiere und das auch nur zum Höhepunkt eines solchen Staates im Spätsommer, etwa ab September. Nun verwenden diese beiden Arten aber unterschiedliche Holzfasern. Während die Gemeine Wespe nur Fasern von morschem, meist schon stark verrottetem Holz zur Papierherstellung verwendet und das Nest dadurch eine schmutzig gelbliche bis rötlichbraune, oft streifige Färbung, verwendet die Deutsche Wespe stets festes, höchstens oberflächlich verwittertes Holz - was ihr Nest immer grau erscheinen lässt.

Wenn ein solches Volk nun seine maximale Stärke im Spätsommer erreicht, wird eigentlich auch zugleich sein Untergang eingeläutet. Denn näher der Herbst rückt, desto knapper wird das Nahrungsangebot in Form von Insekten (die fast ausschließlich der Fütterung der Larven dienen) und Nektar, saftigem Obst, bzw. anderen süßen Pflanzensäften (zur Ernährung der erwachsenen Wespen). Das erklärt auch, warum diese Wespen im Laufe eines Jahres immer "lästiger" werden können. Unsere süßen Getränke und (Obst-)Kuchen, unser leckeres Grillfleisch werden Mangels natürlicher Nahrungsquellen immer begehrter. Dennoch verhungern nach und nach immer mehr Tiere und auch die Larven bekommen irgendwann nicht mehr genug Nahrung. Spätestens die ersten Fröste geben dem nun schon geschwächten Volk den Rest. Lediglich die im Hochsommer geschlüpften Jungköniginnen, die sich etwa im September mit den dann geschlüpften Männchen verpaart haben, überleben. Sie können sich, da sie nur für sich selbst sorgen müssen, bis zum Winter ausreichende Fettreserven zulegen und suchen sich bei zunehmend widrigen Witterungsverhältnissen dann ein sicheres, geschütztes Versteck, in dem sie überwintern können. Dazu verfallen sie eine Art Winterschlaf. Im folgenden Frühjahr gründen sie dann einen neuen Staat.

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Eine andere Papierwespenart, die den meisten Menschen zumindest vom Namen her sehr bekannt ist, ist die Hornisse (Vespa crabro). Ein für manche Menschen geradezu Vespa crabrofurchteinflößender Name, vom Zusammentreffen mit diesem Hautflügler einmal ganz abgesehen. Es geistern ja seit Jahrzehnten wahre Horrorgeschichten über Hornissen durch die Köpfe der Menschheit. Sie seien sehr angriffslustig, aggressiv, greifen immer in Massen an und schon fünf Stiche können einen Menschen töten - das ist nur einer der vielen Irrglauben, die ich einmal las. Damit muss einfach mal Schluss sein! Hornissen sind außerhalb ihres Nestbereichs (etwa ein Umkreis von fünf Metern um das Nest) geradezu friedfertige Tiere, werden niemals "lästig" und um einen gesunden, erwachsenen Menschen zu töten, sind schon eher Massenstiche von mehreren hundert Individuen (das gilt auch für alle übrigen Wespen- und Bienenarten) nötig. Als Ausnahme davon natürlich Allergiker, Säuglinge oder, wenn Stiche im Hals- oder Rachenbereich erfolgen - dann kann die einsetzende Schwellung zur Erstickung führen. Das Gift der Hornisse ist nicht stärker als das der anderen Wespenarten oder der Honigbiene, nur meist schmerzhafter. Das liegt aber einzig daran, dass der Stachel einer Hornisse länger ist und somit in tiefere Hautschichten eindringen kann.

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Eine andere Art aus dieser Familie, deren Nestgründung am Haus vom Menschen viel eher wahrgenommen wird, als die der Gemeinen oder Deutschen Wespe, ist, die zu den Langkopfwespen gehörende, Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica). Das liegt daran, dass sie ihre Nester nicht im Verborgenen, Dunklen anlegt, sondern immer frei sichtbar. Wespennester, die man freihängend auf Dachböden findet oder unter Dachvorsprüngen an Hausfassaden gehören fast immer zu dieser selten aggressiven und lästig werdenden Art. Doch ihre Nester sind es meist, die vom Menschen zerstört werden. Dolichovespula saxonica habe ich bislang noch nicht finden können, dafür aber Dolichovespula media, die Mittlere Wespe. Diese baut ihre nach unten zugespitzten Nester in Gebüschen und ist allgemein nicht häufig.

Alle anderen Arten, der etwa zwölf mitteleuropäische Arten umfassenden sozialen (staatenbildenden) Faltenwespen nisten nicht oder eher selten in Gebäuden, viele nicht einmal im Siedlungsbereich und sind niemals lästige Besucher (z.B. Polistes dominula) an unseren Tischen und ihre Aggressivität beschränkt sich meist auf den unmittelbaren Nestbereich. Ihre Nester können unterirdisch angelegt oder frei an Pflanzenstängeln oder Felsen befestigt sein und erreichen niemals die Größe der zuvor genannten Arten.,

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Allen gemeinsam ist ihre Nützlichkeit. Sie sind unermüdliche Insektenjäger und erbeuten überwiegend Fliegen aller Art für ihre Nachkommen. Für mich erstaunlich war vor einigen Jahren die wiederholte Beobachtung, das Wespen auch die Vorratskammern von Netze bauenden Spinnen plündern - eine, wie ich heute weiß, oft praktizierte Art der Nahrungsbeschaffung. Auch Aas wird angenommen, das erklärt, warum Wespen auch so gerne von unserem Steak etwas abhaben wollen. Größere und wehrhaftere Insekten kann dagegen nur die Hornisse überwältigen. Vor ihrem Giftstachel und ihren mächtigen Kieferzangen ist fast kein Insekt sicher, auch Wespen, Wild- und Honigbienen und einige Spinnenarten nicht. Natürlich richtet sich das Beutespektrum auch nach dem Angebot ihres Lebensraums. So konnte ich die letzten Jahre regelmäßig beobachten, dass die Hornissen des Sandgebietes nahe der Startbahn-West des Frankfurter Flughafens etwa ab Juli sehr häufig Jagd auf die dann dort in großen Mengen vorkommenden Blauflügeligen Ödlandschrecken und andere Heuschrecken machen. Es kommt immer wieder vor, dass die gut getarnten Ödlandschrecken von mir (oder anderen dort herumlaufenden Menschen) bei dortigen Exkursionen aufgeschreckt werden, ihre Tarnung durch Auffliegen aufgeben und sogleich von einer in der Nähe patrouillierenden Hornisse ergriffen, getötet und zerteilt werden.

Zu den sozialen Faltenwespen werden auch noch sechs Arten (zwei Langkopf-, eine Kurzkopf- und drei Feldwespenkuckuckswespen) von Kuckuckswespen gezählt. Über diese und deren Lebensweise habe ich aber keine Kenntnisse.

 

2. Solitäre Faltenwespen Unterfamilie Eumeninae (Lehmwespen)

Neben den wenigen sozialen Faltenwespenarten gibt es die weit größere Gruppe der Einsiedler unter den Faltenwespen - die Familie der solitären Faltenwespen. In Mitteleuropa kommen etwa 82 Arten vor, die sich nicht nur durch ihre solitäre, sondern auch durch ihre meist spezialisierte Lebensweise. Dagegen bestehen rein äußerlich einige Gemeinsamkeiten. Sie sind ebenfalls schwarz-gelb gezeichnet, haben einen ähnlichen Körperbau, natürlich die in Ruhe einmal längsgefalteten Flügel und sie können (wenn auch zumeist nur in höchster Not) schmerzhaft Zustechen.

Jede Art aus dieser Familie baut arttypische Nester. Es gibt Arten, die dafür vorhandene Hohlräume (z.B. hohle Pflanzenstängel, Käferfraßgänge in Holz, Bohrlöcher in Wänden) nutzen, andere graben sowohl horizontale als auch vertikale Erdnester und wieder andere bauen aus einem Lehm(Erde)-Speichel-Gemisch kunstvolle Gebilde, die an Felsen, Steine oder Pflanzen geheftet werden. Und jede Art ist auf bestimmte Beuteinsekten für ihre Nachkommenschaft spezialisiert - wohingegen die sozialen Faltenwespen an ihre Brut tierisches Eiweiß jedweder Herkunft verfüttern. Als Nahrung der erwachsenen Wespen dienen aber ebenfalls nur Nektar und Pflanzensäfte.

Am häufigsten trifft man wohl auf die sich untereinander sehr ähnelnden und schwer zu Ancistrocerus nigricornisbestimmenden Lehmwespen - sie stellen die meisten Arten unter den solitären Faltenwespen. Dennoch konnte ich bislang nur zwei Arten fotografieren. Darunter befindet sich auch die wohl als früheste im Jahr fliegende Lehmwespe Ancistrocerus nigricornis. Sie fand ich 2008 schon am 08. Januar!! Bis dahin war mein frühester Fund der 04. Februar 2007. Sie nistet meist in hohlen Käferfraßgängen in Totholz. Für ihre Brut trägt sie ausschließlich Raupen von Kleinschmetterlingen, die mit einem Stich gelähmt werden, in die Brutkammern ein. Andere, meist häufigere Arten sind zum Beispiel:

Ancistrocerus oviventris, die der vorangegangen Art zum Verwechseln ähnlich sieht. Doch wird man sie wohl selten vor Ende April antreffen. Der deutlichste Unterschied zeigt sich jedoch in der Nistweise. A. oviventris nistet nicht in Hohlräumen und auch nicht in Holz. Sie errichtet in Vertiefungen von zumeist Steinen oder Felsen kugelige Lehmnester, in denen sich mehrere Brutkammern befinden. Somit besiedeln beide Arten auch eher unterschiedliche Lebensräume. Während A. nicricornis auf totholzreiche Gebiete wie Waldränder, Hecken, Auenwälder oder auch Gärten angewiesen ist, wird man A. oviventris eher in Sand- oder Kiesgruben und steinigen, felsigen, offenen Gebieten antreffen. Auch der eingetragene Larvenproviant unterscheidet sich, diese Art macht dafür ausschließlich jagt auf Blatt- und Rüsselkäferlarven.

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Odynerus spinipes und die etwas seltenere Odynerus reniformis sind ebenfalls am ehesten über ihre Nester zu bestimmen. Beide Arten besiedeln in etwa die gleichen Lebensräume, die lehmige, lößhaltige oder auch sandige Steilwände beinhalten müssen - also Abbruchkanten von Hängen, Sandgruben, Hohlwege oder auch Steilufer von Seen, Bächen oder Flüssen. Beide leben zwar solitär, bilden aber an geeigneten Nistplätzen oft größere Kolonien - diese sind durch die vielen, nach unten gebogenen, henkelartigen Röhren (die Arten dieser Gattung haben auch den deutschen Beinamen "Schornsteinwespen") vor den Nisteingängen leicht kenntlich. Die Röhren entstehen beim Graben (dazu weicht sie den zu festen Lehm oder Löß mit herbeigeschafftem Wasser etwas auf) der Brutkammer in der Steilwand. Das dabei anfallende, feuchte Material wird am Eingang der eigentlichen Niströhre zu diesem Gebilde geformt. Die "Henkel" von O. spinipes sind etwas löchrig, die von O. reniformis dagegen eher dicht und kompakt. Beide Arten tragen in die Brutkammern Rüsselkäferlarven ein.

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Es gibt, wie erwähnt noch viele weitere, sich zum Verwechseln ähnliche Gattungen (z.B. Symmorphus) und Arten. Doch von diesen genannten Arten deutlich zu unterscheiden sind die so genannten Pillen- oder Töpferwespen der Gattung Eumenes. Sie haben einen mehr stielartigen, kugelförmig endenden Hinterleib und haben in der Färbung meist weniger Gelbanteile. Die Arten der Gattung Eumenes bauen alle kunstvolle Brutzellen aus Lehm und / oder Sand her, die häufig an winzige Amphoren erinnern, die, je nach Art, an Steine, Holz oder dünne Pflanzenstängel geklebt werden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass  ihre Nester immer nur aus je einer Brutzelle bestehen. Als Futtervorrat tragen alle Eumenes-Arten Raupen ein - meist von Spannern, seltener auch anderer Kleinschmetterlinge. Die einzelnen Arten dieser Gattung lassen sich meist nicht sicher am Foto bestimmen, oft geht es sogar an einem Belegexemplar nur über eine Genitaluntersuchung (der abgetöteten Wespe). Ich konnte bislang erst zwei Arten der Gattung fotografieren: Eumenes papillarius und Eumenes pedunculatus.

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Eine Sonderstellung unter den solitären Faltenwespen, im Grunde sogar aller Wespenfamilien, haben die Honigwespen inne. In Deutschland kommt nur eine Art (Celonites abbreviatus) vor, und deren Vorkommen beschränkt sich auf besonders wärmebegünstigte Regionen wie Kaiserstuhl, Schwäbische Alb oder kleine Areale in Thüringen. Die Art gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Die Besonderheit, in der sich ihre Sonderstellung begründet, ist der Umstand, dass sie ihre Nachkommen mit einer Art Honig verproviantiert. Das macht keine andere Wespe. Dieser Honig besteht aus einem Gemisch aus Pollen und Nektar. Beim Blütenbesuch (zumeist Blüten mit frei herausstehenden Staubgefäßen) pudert sich die Honigwespe durch Reibung ihres Kopfes an den Staubgefäßen mit Pollen ein, den sie dann mit ihren Vorderbeinen zur Mundöffnung wischt und so herunterschlucken und in ihrem Kropf sammeln kann. Mit ihrem verhältnismäßig langen Saugrüssel nimmt sie zusätzlich auch Nektar auf, der sich dann im Kropf mit dem Pollen vermischt. Dieser "Honig" wird dann in die röhrenförmigen Brutzellen, die sie, oft zu mehreren nebeneinander, meist an besonnte Steine, Felsen oder seltener auch Pflanzenstängel heftet, eingebracht.


 

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Stand: 16. Dezember 2017